Aufrichtiger Glaube

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Unser größtes Anliegen ist unseren Iman (bezeugender Glaube) zu schützen. Wenn ein Geschöpf Gottes seinen Iman schützt und in diesem Zustand stirbt, ist es errettet. Ist er sündig wird ihm vergeben oder er wird nach Maß seiner Sünden in der Hölle weilen, aber danach wieder errettet werden. Ist er ein rechtschaffener Mensch, geht er direkt in das Paradies ein. Allah offenbart „Was nun jemanden angeht, dessen Waagschalen schwer sind, so wird er in einem zufriedenen Leben sein. Was aber jemanden angeht, dessen Waagschalen leicht sind, dessen Endziel wird ein Abgrund sein. Und was läßt dich wissen, was das ist? Ein sehr heißes Feuer.“ (Sure 101, Vers 6-11)

Für eine gute Tat eines Mu’min (Überzeugter, der sich seinem Schöpfer aus Liebe hingibt) werden zehn Hasanat (Verdienst) in seinem Tatenbuch vermerkt. Für eine sündige Tat hingegen wird nur eine Sünde vermerkt. Allah verheißt „Wer mit (etwas) Gutem kommt, erhält zehnmal soviel. Und Wer mit einer bösen Tat kommt, dem wird nur gleichviel vergolten, und es wird ihnen kein Unrecht zugefügt.“ (Sure 6, Vers 160)

An unserer Rechten ist ein Engel, der die guten Taten und an unserer Linken ist ein Engel, der die Sünden niederschreibt. So offenbart Allah im Quran „Über euch sind wahrlich Hüter (eingesetzt), edle, die (alles) aufschreiben und die wissen, was ihr tut.“ (Sure 82, Vers 10-12)

Aspekte, die unseren Iman formen, sind auf folgenden Grundlagen fundiert:

„Amantu billah“ Allah existiert, Allah ist eins und hat keinen Teilhaber. Er ist unabhängig von Raum und Zeit. Allah, der Erhabene sieht und hört alles und ist der Besitzer von Kraft und Macht. Er ist der Besitzer von allem. Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt worden. Ihm gehören die schönsten Namen (Asma’ul Husna). Etliche Namen hat Er. Seine Namen werden im Quran erklärt. Jeder Name hat eine andere Bedeutung.

„Wa Malaikatihi“ Allah hat Engel. Engel essen und trinken nicht und unter ihnen gibt es auch kein männlich/weiblich. Ihre Zahl kennt allein Allah. Ein Teil von ihnen ist für  Angelegenheiten der Geschöpfe beauftragt.

Neben diesen existieren auch Jinns und Shaitane. Jinns und Shaitane sind einander nah. Unter den Jinns gibt auch Gläubige. Schließlich haben sie damals den Ruf des Propheten Muhammed (sas) gehört (Anm. der Übersetzerin: das Geschehnis fand im Masjid al-Jinn in Mekka statt). Einige von ihnen haben den Islam daraufhin angenommen. Die Anzahl der Shaitane kennt einzig Allah. Unter ihnen gibt es unterschiedliche Arten. Hiermit glauben wir an die Existenz von Engeln, Jinns und Shaitane.

„Wa Kutubihî“ Wir glauben auch an die Gottesbücher und -schriften. Die Propheten empfangen vier Bücher. Insgesamt 100 Suhuf (Schriften/Seiten) empfangen einige andere Propheten Stück für Stück. Den Zabur (Psalmen) empfang der Prophet Davud (as), die Thora der Prophet Musa (as), die Bibel der Prophet Isa (as) und den Quran empfang der Prophet Muhammed (sas). Alle vier Bücher und die 100 Suhuf haben sich im Quran vereint. Wer an den Quran glaubt, gehört zu Ahlu Iman (Gefolgsleute des bezeugenden Glaubens). Wer nicht an den Quran glaubt, gehört zu Ahlu Kuffar (Gefolgsleute der Nicht-Gläubigen). Die Gültigkeit von Thora, Psalmen (Zabur), Bibel und der 100 Suhuf ist aufgehoben. Alle Bücher und Suhuf, die von Allah gesandt wurden, sind im Quran vereint. An all dies glauben wir.

„Wa Rasulihi“ Wir glauben an die Propheten. Ein Mu’min glaubt daran, dass alle Propheten von Gott gesandt worden sind. Wenn ein Muslim auf eine unangebrachte Weise trotzt und sagt„Ihr glaubt nicht an den Propheten Muhammed, also akzeptiere ich den Propheten Jesus nicht“, dann fällt er vom Glauben ab.

„Wa’l Yawmi’l-ahiri“ Wir glauben an den Tag des Jenseits, also daran, dass man nach dem Tod wieder aufersteht, dass es den Tag des Jüngsten Gerichts geben wird und dass Menschen für ihre Taten Rechenschaft ablegen müssen.

„Wa bi’l-Kadari Khayrihi wa Sharrihi Minallah-u Ta’ala“ Wir glauben an das Schicksal und daran, dass Gutes und auch Schlechtes von Allah kommt, aber auch daran, dass die Menschen im Rahmen ihres Schicksals einen freien Willen besitzen. Das Geschöpf sollte seinen freien Willen nicht für etwas Schlechtes einsetzen. Denn Allah hat den freien Willen erschaffen, damit die Menschen ihn für Gutes und Dienliches einsetzen können und ihn nicht für schlechte Zwecke missbrauchen. Somit sind die Menschen sowohl für ihre Wohltaten als auch für ihre Sünden selbst verantwortlich.

„Wa’l-Ba’su Ba’dal-Mawti Hakkun“ Wir glauben daran, nach dem Tod wieder aufzuerstehen und vor dem Jüngsten Gericht zur Rechenschaft gezogen zu werden. Die Ahlu Iman (Gefolgsleute des bezeugenden Glaubens) werden in das Paradies und die Ahlu Kuffar (Gefolgsleute der Nicht-Gläubigen) in die Hölle eintreten.

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Was ist Sufismus/Tasawwuf?

Sufismus ist die Benennung eines glücklichen und gesegneten Lebensweges, auf welchen sich der Mensch begibt, um seine eigene, innere Welt zu entdecken. Er ist der Ausdruck der Selbsterkenntnis. Um es mit den Worten von Yunus Emre auszudrücken: Sufismus (auch Tasawwuf genannt) ist das Wissen über „sich selbst“. Es ist der Eifer, in der Reinheit der Schöpfung Allahs Zuflucht zu suchen und zu einem Regentropfen zu werden, um sich dann in den Ozean der Barmherzigkeit fallen lassen zu können. Der Schöpfer hat den Menschen in schönster Gestalt erschaffen und ihm mit Seiner gebotenen Religion die Möglichkeit gegeben, diese Form auf die schönste Art zu erhalten. Sufismus ist das Streben nach Freiheit, welche man erlangt, wenn man sich vom Nafs (niederes Ego, Triebseele), das einen umringt, sowie von negativen/teuflischen Einflüsterungen (Waswasa) und von niederen Trieben (bspw. Begierden) loslöst und sich der höchsten Stufe der vollkommenen Tugend (Ahsani Taqwim) wendet.

Der Mensch hat das Anvertrauen akzeptiert, welches nicht einmal die Berge und Täler anzunehmen wagten, und hat die Bühne der Prüfung betreten, die sich Diesseits nennt. Lauscht der Mensch der göttlichen Stimme seiner urförmigen charakterlichen Grundzüge und bedenkt er im Lichte des Qurans, wird er danach streben, die freudige Botschaft zu hören „O du Seele, die die Stufe des Mutmain erreicht hat, tritt ein unter Meine guten Diener, und tritt ein in Mein Paradies.“ (Sure 89, Vers 29-30) Sufismus ist, sich im Lichte des erhabenen Gebotes „Wahrlich, im Gedenken Allahs werden die Herzen ruhig“ (Sure 13, Vers 28) mit Dhikr (Lobpreisung/Gedenken Allahs) zu reinigen und zu klären und der inneren Ruhe und Zufriedenheit mit Klarheit im Herzen entgegen zu eilen.

Die Gelehrten dieses Weges haben aus dem Koran und der Sunna ein Licht gebunden, in dem sie mit der Wissenslehre vermengt und mit Anstand und Geduld beschmückt wurden und haben Flüsse errichtet, die zur Barmherzigkeit Allahs führen, damit die Menschen unter dem Licht der Weisheit das Nour (Licht) Muhammeds erreichen, ohne sich an den Dornen des Diesseits zu verwunden. Zu der Erhabenheit des Sufismus gehört, das Dhikrullah (die Lobpreisung Allahs) sich in die Adern einzuflößen und sein Herz auf diese Weise von seiner Schwere, Selbstsüchtigkeit und Weltlichkeit loszulösen und in seinem Grad zu erhöhen, damit es den Schöpfer, der sonst in keinem Ort und Raum Platz findet, umgreift.

Der Schöpfer aller Welten befiehlt „Sagt nicht ‚Wir glauben’, sagt ‚Wir haben den Islam angenommen’“. Durch die Annahme der Grundsätze des Imans (bezeugender Glaube) und des Islams haben wir alle gottlob den Islam angenommen. Während man als Muslim jenen Weg beschreitet, der zu dem Rang eines Mu’min (Überzeugter, der sich seinem Schöpfer aus Liebe hingibt) führt, dient der Sufismus einem als Schutzschild, hinter dem man Zuflucht findet. Sufismus ist, wie S. Nakip Attas sagt, „die Anwendung des Islams, auf einer Ebene des Vollkommenen und Schönen.“ Tasawwuf bedeutet, die Gebote des Allmächtigen über das eigene Nafs (niederes Ego, Triebseele) zu stellen und bei seinen Gebeten, seinem Dhikr und weiteren Gottesdiensten ein Bewusstsein zu entwickeln, als würde man Allah stets sehen.

Als die Seelen erschaffen waren, wurden sie, bevor sie ins Diesseits treten, alle versammelt und bezeugten, dass Allah ihr Schöpfer ist. [Anm. d. Übersetzerin: das Ereignis nennt sich Qalu Bala] Sufismus ist, dass man sich seinem Schöpfer gegenüber nach dem Versprechen bei Qalu Bala als loyal erweisen möchte und seine spirituelle Ader aufrecht erhält, indem manseinen Schöpfer jeder Zeit gedenkt und danach strebt, stets in Richtung der Wahrheit gewandt zu leben. Auf einem Weg, welches dünner als ein Haar und schärfer als eine Schwertklinge ist, [Anm. d. Übersetzerin: Mit dieser Metapher wird die Wichtigkeit und Tiefsinnigkeit des Sufismus betont.] ist Tasawwuf jene Glückseligkeit, mit Strebsamkeit, Geduld, Genügsamkeit, Gottesliebe und Ergebenheit durchdrungen zu werden und nach dem berühmten sufistischen Prinzip „Erst war ich roh, dann wurde ich gar, dann verbrannt“ zu reifen.

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168. Ausspruch “Der wahre Liebende und Geliebte ist Allah, Der Erhabene”

Diejenigen, die sich in das Sichtbare der Welt und in Gefühle verlieben, sollten wissen, dass das Sehen vom Licht, also von der Sonne abhängt.Du siehst eine Wand mit schönen Malereien und Verzierungen, die du bewunderst. Doch siehst und beachtest du nicht die Sonne, durch jene du erst solche Schönheiten zu sehen bekommst, sondern gibst einer Wand Acht, die aus einfachen Ziegelsteinen erbaut wurde. Du siehst nur die Abbildung, aber weißt du denn, dass diese Abbildung erst mittels der Sonne sichtbar ist? Wem gebührt es dann am Höchsten geliebt, geachtet und gewürdigt zu werden? Selbstverständlich dem alles Existenz Erschaffenden, dem am Leben Erhaltenden, dem wahren Liebenden und wahren Geliebten,  Erhabenen Allah.Die Frage ist hier nun, ob die höchste Liebe erst gewonnen werden muss oder ob sie gottgegeben ist. Die höchste Liebe ist von Allah gegeben. Wenn Allah also sein Geschöpf liebt, ist es unvermeidlich, dass es seinen Schöpfer ebenfalls liebt. Solange Allah sein Geschöpf nicht liebt, kann der Mensch seinen Schöpfer ebenfalls nicht lieben. Nur Treue, Ergebenheit und Reinheit sind die Ursache für die höchste und sich hingebende Liebe (Ashq) zwischen Allah und seinem Geschöpf. Übersetzt aus dem Buch von Sheikh Sayyid Muhammed „Tasavvufta Aşkın Miracı“.Zu Deutsch: Die Himmelfahrt der höchsten Liebe im Sufismus.

Wer sind Awliya?

Zu jeder Zeit gibt es gesegnete Gottesfreunde (Awliya), die uns nach dem Vorbild des Propheten den Islam auf die schönste Art und Weise vorleben und stets mit Allah verbunden sind. In einem Koranvers werden sie wie folgt erwähnt: „Siehe, über Allahs Freunde soll keine Furcht kommen, noch sollen sie trauern“ (Sure 10, Vers 62).Ein gesegneter Gottesfreund zu sein bedeutet, ein Freund Allahs und des Propheten Muhammads – Friede und Segen seien mit ihm- zu sein. Der Gottesfreund (Awliya) wird am Tag des Jüngsten Gerichts mit denen sein, die er liebt.Jedes Wort und jedes Verhalten des Awliyas sind gemäß des Islams. In jedem, der in seiner Anwesenheit ist, entflammt die Liebe zu Allah, die weltlichen und auch die sündhaften Begierden erlischen in einem. Durch sie werden tote Herzen zum Leben erweckt und der Rost der Herzen wird gereinigt.Die gesegneten Freunde Allahs sind voller Barmherzigkeit. So wie Allah die Fehler seiner Geschöpfe bedeckt, sucht auch der heilige Gottesfreund nicht nach den Fehlern eines Menschen, sondern vergibt ihnen. Awliyas sind freigiebig und erfreuen sich daran ihre Schüler – ganz gleich ob materiell oder immateriell – zu beschenken.Awliyas unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von anderen Menschen. Sie sind die Erbschaft der vergangenen Propheten. Ihre Herzen sind nah zum Schöpfer. Mit ihrem Anblick und ihrer Anwesenheit erinnern sie einen an Allah; sobald sie einen Raum betreten kommt in den Herzen Erleichterung auf. Da sie den Spuren des Propheten folgen, sind ihre Bittgebete hoch geschätzt. Wer das Herz eines heiligen Gottesfreundes für sich gewonnen hat, hat auch die Barmherzigkeit Allahs stets auf sich.

120. Ausspruch „Awliya (gesegnete Gottesfreunde) sind wie die Sterne „Awliya (gesegnete Gottesfreunde)  sind wie die Sterne“Unser geliebter Prophet (Friede und Segen seien mit ihm) verkündete: „Meine Gefährten sind wie die Sterne. Welchem ihr auch immer folgt, erlangt ihr die Rechtleitung“. Awliya sind das Licht und die Erleuchtung des rechten Weges (Sirat al-Mustaqiim). Sie sind die Sterne, welche die Teufel mit Steinwürfen vertreiben und sie vor Einmischungen auf dem Sirat al-Mustaqiim zurückhalten.In vielen Quranversen wird über die die Art und die Natur der Awliya berichtet. Allah gebietet:  „Oh Muhammed, sprich zu den Menschen, die meinen, du seiest auch nur ein Mensch wie sie es sind und sage ihnen: Ja, so ist es. Ich bin ein Mensch, ich bin eurer Art. Jedoch empfange ich Offenbarungen. Ich wurde gesandt, um euch mit dem Licht der Offenbarung auf den rechten Weg zu verhelfen. Euer Gott ist ein Einziger und hat keinen Teilhaber. So seid standhaft in eurem Glauben. Reinigt euch von schlechten Angewohnheiten und Eigenschaften. Verflucht seien die Götzenanbeter, denn ihre (ignorante) Unwissenheit hat die Grenzen überschritten“ (Sure 41, Vers 6) Awliya sind zwar auch Menschen, jedoch hat sie die Rechtleitung durch das Licht der Offenbarung erleuchtet und sie von menschlichen Eigenschaften gereinigt. Ihr Verhältnis zur Menschheit besteht nur zum Nutzen und zum Vorteil für die Menschheit selbst. Awliya sind wie die Sterne. Ihr Licht ist im Vergleich zur Sonne etwas dunkler und im Vergleich zur Menschheit etwas heller. Ihr Licht ist schwach, damit die Menschen sie anschauen und ihren Weg finden können. Würden die Awliya sich im Maße ihrer Wirklichkeit zeigen, könnten die Menschen dieses, so als ob sie direkt zur Sonne blickten, nicht aushalten und ihnen deshalb auch nicht folgen. Die Awliya sind teilhabend an der Menschheit, um ein Mittel für die Rechtleitung der Menschen zu sein. Schließlich macht die Schwäche der Menschen es unmöglich, ohne einen Übermittler die Wahrheit zu erkennen, zu verstehen und zu verinnerlichen.[Übersetzt aus dem Buch von Sheikh Sayyid Muhammed „Tasavvufta Aşkın Miracı“. Zu Deutsch: Die Himmelfahrt der höchsten Liebe im Sufismus.]

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336. Ausspruch “Das Wort eines Awliya ist ein Wegweiser zu Allah”

Allah verkündet im Koran: „Und wenn dich Meine Diener nach Mir fragen, so bin Ich nahe; Ich erhöre den Ruf des Bittenden, wenn er Mich anruft.“(Sure 2, Vers 186)Der Erhabene ist seinen Geschöpfen näher als ihre Halsschlagader, ihr Verstand und ihr Herz. Jedoch kann nicht jeder die Wirklichkeit über Seine Nähe begreifen. Die Wahrheit über die Nähe Allahs haben Propheten und Awliya (gesegnete Gottesfreunde) erreicht.„Allah spricht über die Zunge Seines Geschöpfs.“ heißt es in einer Überlieferung. Allah spricht über die Zunge eines Propheten oder eines Awliyas. Deshalb ist deren Wort ein Wegweiser zu Allah. Durch die Nähe von Propheten oder Awliya, weiß der Mensch über die Nähe des Schöpfers zu sich selbst. Auch das Geheimnis über den Koranvers „Und Er ist mit euch“ (Sure 57, Vers 4) begreift der Mensch auf diese Weise.Übersetzt aus dem Buch von Sheikh Sayyid Muhammed „Tasavvufta Aşkın Miracı“.Zu Deutsch: Die Himmelfahrt der höchsten Liebe im Sufismus.

Abdulqadir Gilani – Großmeister der Qadiriyya Tariqa

Sein Name ist Muhyiddin Abu Muhammed, der Sohn von Salih Musa Es-Sahid el Gilani. Im Jahr H. 470 (1077-78 n. Chr.) wurde er in der Provinz Gilan, Südwestlich vom Kaspischen Meer geboren. Er ist väterlicherseits Schariif und mütterlicherseits Sayyid. Die islamische Grundwissenschaft lernte er von seinem Großvater Abdullah As-Sewmai.

Um zu studieren ging Abdulqadir Gilani in die Stadt Bagdad, die in jener Zeit einer der größten islamischen Wissenschaftszentren der Welt war. Hier nahm er von über 20 Gelehrten Unterricht in Tafsir, Hadith, Fiqh, Kiraat und weiteren islamischen Wissenschaften, schloss sein Studium ab und fing anschließend an zu predigen. Durch Abul´Chayr Muhammed bin Muslim Ad-Debbas trat er in den Sufismus ein.

Getrieben durch die Liebe zu Allah, zog er sich zurück, um sich vom weltichen Leben loszulösen. Bis zu 25 Jahre lang dauerte seine Insiwa (Zurückgezogenheit vom Weltlichen) in verlassenen, abgeschiedenen Gegenden von Bagdat, in denen er fern von weltlichen Belangen nur Allah (subhana wa taala) diente. Schließlich ging er zu Scheikh Abu Sa´id Al-Muharrimi, legte sein Biat (Loyalitäts- und Gefolgschaftsschwur, mit dem man in den Sufi-Orden aufgenommen wird) bei ihm ab und bekam den Irschadsmantel (symbolisiert den Rang eines Großmeisters). So nahm er seinen Irschad (Befugnis zur Führung als Großmeister) wieder auf, den er in seinem Dargah (Ordenshaus) und Medrese (Schule) bis zu seinem Tod durchführte.

Der Sultan aller Großmeister Abdulqadir Gilani

Abdulqadir Gilani wurde in Gilan, einer Provinz von Tabaristan, im Jahre 470 n.H (nach der Hidjra). geboren. Väterlicherseits ist er Sharif (Begriff für Prophetennachfahren – Abstammung über den Prophetenenkel Hasan ibn Ali) und mütterlicherseits Sayyid (Begriff für Prophetennachfahren – Abstammung über Hussein ibn Ali). Bereits im sehr jungen Alter war er für seine vorbildliche Aufrichtigkeit und seinen hervorragenden Charakter (Ahlaq) bekannt. Seine Wissenslehre, die er bei seinem Großvater begann, setze er in Bagdat, dem damaligen Zentrum der Wissenschaft, als Studium fort und wurde von berühmten Großgelehrten (Alim) unterrichtet. Abdulqadir Gilani wurde in der Hadith-, Fiqh- und Tasawwuflehre und -wissenschaft zu einer wichtigen Autorität und begann bereits im Alter von 28 Jahren weitere Gelehrte, die von weither anreisten, zu unterweisen.

Nachdem er eine Weile lehrte, nur das Rechte und die Wahrheit verkündete und seine Führung (Irshad) als Murshid (ermächtigter Sufi-Großmeister) fortsetzte, gab er seine Lehren und Predigten auf, zog sich in die Abgeschiedenheit (Uzlat) zurück und bevorzugte die Einsamkeit. Anschließend ging er hinaus in die Wüsten und lebte in den Ruinen von Kerb bei Bagdat. Mit Ibadah (Gottesdiensten), Riyazat (Verhaltensweisen, die das niedere Ego „Nafs“ brechen und von Verlangen reinigen. Bspw. wenig essen, wenig schlafen) und Mujahada (spirituelle Auseinandersetzung mit sich selbst, um seinen Charakter „Ahlaq“ zu vervollkommnen) verbrachte er seine gesamte Zeit damit, den Wünschen seines Nafs (niederes Ego, Triebseele) nicht nachzugehen und wiederum das zu tun, was sein Nafs nicht verlangte.

Abdulqadir Gilani erzählte:In den Wüsten und Ruinen von Irak bin ich 25 Jahre lang von Menschen fern geblieben. Es gab niemanden, der um mich Bescheid wusste und auch ich wusste nicht, wie es den Menschen geht. Manchmal aß ich für eine lange Zeit nichts und hörte hungrige Klagelaute aus mir heraus. Manchmal überkam mich solch eine Schwere und Last – würde man diese einem Berg auferlegen, könnte er sie nicht ertragen und würde zu Grunde schmettern. Als ich in diesen Momenten den fünften und sechsten Vers der 94. Sure As-Sharh mit der Bedeutung „Und wahrlich, mit der Erschwernis geht Erleichterung einher; wahrlich, mit der Erschwernis geht Erleichterung einher.“ rezitierte, löste sich die Schwere über mir auf und verschwand.

In seinem Dergah (Sufi-Herberge), welches der Mittelpunkt für Wissenslehre, Wissenschaft und Fayz (Spirituelle Kraft) war, hat Abdulqadir Gilani bis zu seinem 91. Lebensjahr Licht verbreitet und tausende von Sufi-Schüler ausgebildet. Wegen seiner Tiefsinnigkeit in den weltlichen und geistigen Wissenschaften und seiner spirituellen Gabe und Barmherzigkeit, mit denen er islamisch religiöse Grundsätze wiederbelebte, gab man ihm den Namen

„Muhyiddin“ (Der Wiederbeleber der Religion). Im Jahre 561 n.H. zog er ins unendliche Jenseits. Seine Ruhestätte liegt in Bagdat.

Abdulqadir Gilani, der für seine unzähligen Karamah (Wunder) bekannt ist, hat den Sufismus derart geordnet, dass ihn jeder verstehen kann. Seine Lehre wurde zu Ehren seines Namens als „Qadiriyya“ benannt. Die Worte, welche Gilani seinem Sohn Abdulrazzak als Vermächtnis hinerlassen hat, sind das schönste Resümee seiner Sichtweise über den Tasawwuf und die Welt:

„Mein Sohn! Möge Allahs Hilfe uns, Dir und allen Muslimen zuteil kommen und Erfolg und Gelingen ermöglichen. Mein letzter Wille ist, dass Du Ehrfurcht vor Allah hast, Ihm gegenüber gehorsam bist, den Geboten und Verboten unseres Glaubens folgst und Deine Grenzen beachtest.

Mein Sohn! Möge Allahs Hilfe uns, Dir und allen Muslimen zuteil kommen! Dieser unsrige Weg wurde nach dem Quran und der Sunna gegründet. Errichtet wurde er auf Herzensfrieden, Großzügigkeit, Edelmut und darauf, Leiden und Pein zu erdulden und die Fehler und Makel der Glaubensgeschwister zu verzeihen.

Mein Sohn! Als meinen letzten Willen beauftrage ich Dich! Sei mit Derwischen, also mit Gottesleuten zusammen. Erweise Deinen Respekt gegenüber Sufi-Meistern und Gelehrten. Komme mit Deinen Glaubensgeschwistern gut aus! Erteile sowohl Deinen Jüngeren als auch Deinen Älteren Ratschläge. Verfeinde Dich mit niemandem, außer mit denen, die Dich wegen Deines Glaubens bekriegen.

Mein Sohn! Möge Allahs Hilfe uns, Dir und allen Muslimen zuteil kommen!

Wahre Bedürftigkeit ist, nicht auf Menschen angewiesen zu sein, die Dir gleichgestellt sind. Und wahrer Reichtums ist, von Dir ebenbürtigen Menschen nichts zu erwarten. Tasawwuf ist ein Zustand, ein Befinden und besteht nicht aus Worten und wird auch nicht durch Worte verinnerlicht. Wenn Du unter den Derwischen jene findest, die nichts und niemand anderen als Allah bedürfen, nähere Dich ihnen nicht mit Belehrungen, sondern behandele sie mit Taktgefühl, Sanftmut, einem Lächeln und mit schönen Worten! Denn die Lehre würde ihn einschüchtern; Taktgefühl und Sanftmut jedoch würden ihn anziehen und ihn herannahen lassen.

Mein Sohn! Wenn Du Dich mit reichen Menschen unterhältst, respektiere sie, aber schätze sie nicht höher; Unterhältst Du Dich aber mit armen, bedürftigen Menschen, so schätze Dich selbst nicht höher.

Sei darauf bedacht aufrichtig zu sein! Aufrichtigkeit heißt zu vergessen, dass andere Menschen einen sehen und sich stets zu entsinnen, dass der Schöpfer einen immerzu sieht. Bei Resultaten, welcher Art auch immer, greife niemals Allah, den Erhabenen an. Sei zu jeder Zeit, zu jedem Befinden schweigsam mit dem zufrieden was Allah Dir gibt. Achte in Gesellschaft von Gefolgsleuten Allahs (Jene, die keine Bosheit und Schlechtigkeit kennen, sich allein auf den Weg zu Allah und auf ihre Gottesdienste konzentrieren und einen reinen Glauben erlangt haben) darauf, diese drei Eigenschaften zu besitzen: Demut, gutes Auskommen mit anderen und ein von Schlechtigkeiten gereinigtes Herz. Das wahrhaftige Leben erfüllt sich erst, wenn Du den verbotenen und schadhaften Forderungen und Wünschen Deines Nafs (niederes Ego, Triebseele) nicht nachgehst und es somit vernichtest.“

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Was ist eine Tariqa?

Tasawwuf ist ein Erbe der offenbaren (zahiri) und verborgenen (batini) Schönheit unseres Propheten Muhammed (sas) an seine Gemeinschaft [Anm. der Übersetzerin: hierbei sind alle Menschen mit eingeschlossen]. Der Gesandte Allahs verkündet wie folgt:

  • „Propheten hinterlassen weder ein Dirham, noch ein Dinar als Erbe. Die Wissenslehre (Ilim) jedoch ist ihr Erbe.“ (siehe Ebu Dâvud, Ilm 1; Tirmizî, Ilm 19; Ibn-i Mâce (H. No. 227); Dârimî (H. No. 348); Müsned-i Imâm Ahmed (H. No. 21336).)
  • “Hohe Gelehrte (Alim) sind die Erbfolger der Propheten.” (siehe Buharî, ilim, 10; Ebû Davud, ilim, 3.)
  • „Das schönste Erbe, welches ein Vater seinem Sohn hinterlassen kann, ist ein guter Charakter (Ahlaq).“ (siehe Tirmizî, IV, 337.)

Der Sufismus wurde, wie die anderen islamischen Lehren, zunächst systematisch geordnet und im Nachhinein institutionalisiert. Durch die Tariqas (Sufi-Orden) konnte der institutionalisierte Sufismus die Bevölkerung auf eine methodische Weise erreichen. Tariqas beinhalten die Bestrebungen der Menschen, ihr Leben nach einem Murshid-i Kamil (Sufiordensführer und ermächtigter Großmeister, der die Stufe der Vollkommenheit erreicht hat), der einen an Gott erinnert und den Weg des Propheten Muhammed weiterführt, auszurichten.

Die erstmals erschienenen Tariqas waren zu der Zeit der Tabiun (Gefährtennachfolger, die mindestens einen Gefährten des Propheten Muhammed gesehen haben) und der Taba-i Tabiun (Die Generation, die mindestens einen Tabiun gesehen hat) anzutreffen. Im Anschluss dieser Zeit hat der Sufismus mittels der Tariqas präzisere Formen und Handlungen angenommen und ist zu einer Ganzheit geworden. Von dem Tag an, an dem Tariqas entstanden sind, waren sie in dem islamischen Gebieten rasch verbreitet und besaßen durch ihre Gemäßigtheit und Hervorhebung der Liebe eine wichtige Funktion bei der Verbreitung des Islams. Tariqas, die in der islamischen Gesellschaft auf Akzeptanz stoßen, sind folgende: Qadiriyya, Mevleviyye, Naqshbandiyya, Ebhariyya, Rifaiyya, Tayfuriyya, Shazeliyya, Suhraverdiyya, Sa’diyya, Melamiyya Medyeniyya, Halwatiyya, Shamsiyya, Djamaliyya, Ahmediyye, Rushaniyya, Edhamiyya, Desukiyya, Tschischtiyya (Cistiyya), Cuneydiyya, Celvetiyya, Bayramiyya, Badawiyya u.a.

Das Bayat in der Qadiriyya Tariqa

Bayat (Bindung, Loyalität, Treueschwur) bedeutet, seinen Murshid Kamil (Spiritueller Führer, der die Ebene der Vollkommenheit erreicht hat) als Wegweiser zu akzeptieren, um die höchste Ebene der Erkenntnis (Marifat) zu erreichen und ihm in jenem Umfang im Dienste zu stehen, wie es sein Sufi-Meister vorgesehen hat.

Awliya sind die Wegweiser auf Allahs Weg. Ohne einen Wegweiser und ohne Nachweise und Bedingungen kann man sich nicht auf die Reise der Marifatullah (Erkenntnis Allahs) begeben. Auch der Prophet Muhammed (sas) hat die Himmelfahrt (Miraj) mit der Wegweisung des Engels Jibril (Gabriel) erlebt. Jibril wies ihm (sas) den Weg. Auf diese Weise gelangten sie bis zur Ebene Sidra-i Muntaha. Anschließend kam ein anderer Engel Namens Refref. Auch er wies dem Propheten Muhammed (sas) bis zu einem gewissen Punkt den Weg. Daraufhin sah der geliebte Muhammed (sas) Allah mit seinen eigenen Augen in einer Periode außerhalb von Ort und Zeit und sprach mit Ihm neunzigtausend Worte.

Allah gebietet: „Gewiß, diejenigen, die dir den Treueid leisten, leisten (in Wirklichkeit) nur Allah den Treueid“ (Sure 48, Vers 10). Jene Geschwister, die für einen erhabenen Weg, wie des Muhammediyya Weges den Treueid geleistet haben, haben Abdulqadir Gilani den Treueid geleistet. Wer ihm die den Treueid geleistet hat, von dem wird angenommen, dass er dem Propheten Muhammed (sas) und Allah die Treue geschworen hat.

Jene Flüsse, die in das Meer münden und sich mit diesem vermischen, gelten als Meerwasser. So gelten die Geschwister, die die Pforte eines Awliya (heilige Gottesfreunde) aufsuchen und sich an diesen binden, als Auserwählte des Gottesweges. In der Gemeinschaft von Abdulqadir Gilani, zählen diese Geschwister zu der Gemeinschaft der Awliya. Die Bittgebete des Sufis erreichen mit den Bittgebeten der Awliya die Ebene der Erfüllung.

Das Bayat (Bindung, Loyalität, Treueschwur) kann man an folgendem Beispiel erklären:

Ein Hirsch, der von einem Hund erlegt wird, gilt nach islamischen Richtlinien als rituell unrein und somit als ungenießbar. Lässt der Jäger sein Jagdtier los und spricht dabei „Bismillah“, so ist der erlegte Hirsch rituell rein und genießbar, ganz gleich ob das Jagdtier die Beute lebend oder getötet zurückbringt. Weil der Jagdhund an den Jäger gebunden ist, wird die Tätigkeit des Jagens dem Jäger zugeschrieben und die Gegebenheit wird derart bewertet, als habe der Jäger selbst die Beute erlegt. Die Taten derjenigen, die ihr Bayat gegeben haben, werden aus der Sicht Allahs den Ahlullah (Gefolgsleute Allahs) zugeschrieben und somit auf der Ebene der Erfüllung bewertet. Aus diesem Grund bedeutet das Leisten der Bayat, den Ahlullah zu dienen und ihre spirituelle Hilfe zu erfahren.

Nun, wer sich Allah widmen möchte, sollte die Angelegenheit damit angehen, sein Bayat für den Weg der Ahlullah zu leisten. Das Bayat, das in wahrem Sinne ein Bekenntnis zur Ergebenheit sein sollte, bedeutet, dass der Sufi seinen Willen dem Willen seines Sufi-Meisters übergibt.  In dieser Hinsicht treten bei denen, die ihre Herzen an das Herz ihres Sheikhs gebunden haben, einige Zustände in Erscheinung. Diese Zustände, sowie spirituelle Eingebungen übertragen sich auch auf weitere Sufis, sobald sie sich die Hand geben. Der Gesandte Allahs Muhammed (sas) gebietet: „Wer wem ähnelt, gehört zu ihm.“

Ein weiterer Punkt, der im obigen Ausspruch des Propheten zum Ausdruck gebracht wird, ist dass der Murid (Geführter, Sufi-Schüler) einen Anteil an der Fürsprache des Propheten habenwird. Als ein Teil vom Ganzen wird der Sufi auf die Ebene der Fürsprache erhoben und kann für seine Eltern Fürsprache einlegen. Je nach ihrem Grad werden Sufis für drei bis 70 Menschen Fürsprache einlegen dürfen.

Die Person, die sich dem Weg der Ahlullah (Gefolgsleute Allahs) anschließen möchte, ist der Eintritt in die Qadiriyya Tariqa, die ein Weg der Ahlu Bayt (Nachkommen des Propheten Muhammed) ist, wie folgt:  die eintrittswillige Person bittet um Erlaubnis, um in die Gegenwart des Sheikhs Sayyid Muhammed Efendi oder seines Wakil (Vertreter/in) treten zu dürfen und spricht „Destur ya Sheikhim – Ich bitte um Erlaubnis mein verehrter Sheikh“. Wenn die Erlaubnis gegeben wurde, tritt sie in einem rituell reinen Zustand (mit der rituellen Waschung Wudhu) in hinein und hält die Hände des Sheikhs oder des Wakils. Wenn die eintrittswillige Person weiblich ist, hält sie nicht die Hände, sondern hält mit Zurückhaltung an dem Saum des Gewands ihres Gegenübers und rezitiert gemeinsam folgendes:

  • Astaghfirullah, Astaghfirullah, Astaghfirullah, al-Adhîm, al-Karîm, ellazî lâilahe illâ hû, al-Hayya’l-Kayyûma wa natûbu ileyk, tawbata abdin zâlimin li-nafsihi lâ yamliku li nefsihî mawtan wa lâ hayâten wa la nushûrâ. Wa’lem ennehû Lâilâhe illallâh, “Lâilahe illallâh (11 mal)”Bismillâhirrahmânirrahim “Yâ eyyuhellezîne âmenû tûbû ilâllâhi tawbaten nasûhâ” sadakallâhu’l-adhîm. Kullun âmentu billâhi wa melâiketihî wa kutubihî wa rusulihî wa’lyawmi’l-âhiri wa bi’l-kadari hayrihî wa sharrihî minallâhiteâlâa wa’l-ba’su ba’de’l-mawti hakkun, Ashadu an lâ ilâhe illallâh wa ashadu anna Muhammedun Abduhû wa Rasûluh.Shahidallâhu annahû lâilahe illâ Hû wa’l-melâiketu wa ulu’l-ilmi kâime’ m-bi’l-kisd. Lâilahe illâ Hûwa’l-azîzu’l hakîm.Innad-dîne indallâhi’l Islâm.

Diesen Weg, der mit Allahs Befehl und Ermessen vom Propheten Muhammed (sas) in die Herzen der Awliya übertragen wurde und sich bei dem Sultan aller Awliya Sayyid Abdulqadir Gilani zu einem Fluss werdend zusammen fand und dem Murshid Sheikh Sayyid Muhammed Efendi übertragen wurde, präge ich Dir meine Schwester, mein Bruder mit deren Hilfe und Erlaubnis ein.

Möge dieser Weg für Dich zum Guten und voll von Segen sein. Möge die spirituelle Hilfe (Himmat) der Awliya über uns unzählig sein. Halte Dich von Sünden fern und richte Dich an die Gebote Allahs. Hüte das Anvertrauen dieses heiligen Weges, das Du über uns an Dich genommen hast und erfreue Dich an der spirituellen Kraft (Fayz), die denen zuteil kommt, die diesen Weg beschreiten. Suche vor den Wünschen des Shaitans und des Nafs (niederes Ego und Triebseele) Zuflucht bei Allah. Wenn Du Dein Versprechen gibst, dann bleib diesem auch treu, so dass Awliya Dich wertschätzen.

Bismillahirrahmanirrahim. “Innallazîne yubâyiûneke innamâ yubâyiûnallah, yadullâhi fawka eydîhim. Famen nekase fa innemâ yenkusu alâ nafsih wa man awfâ bimâ âhede aleyhullâhi feseyu’tîhi edjran azîma.Innallâhe wa melâikatehû yusâllûne alennabiy, yâ eyyuhallezîna âmenû sallû aleyhi wa sallimû teslîmâ.As-salâtu wa’s-salâmu alayke yâ rasûlallâh, as-salâtu wa’s-salâmu alayke yâ habîballah, as-salâtu wa’s-salâmu alayke yâ sayyida’l-ewwalîne wa’l-âhirîn, wa salâmun ala’lmurselîn wa’l-hamdu lillâhi rabbi’l-âlemîn, al-Fâtiha (Sure Al-Fatiha rezitieren).

Anschließend küsst man mit Anstand die Hand des ehrwürdigen Sheikhs bzw. Wakils (und verabschiedet sich). In nächster Gelegenheit nimmt man die rituelle Ganzkörperwaschung (Ghusl) vor und betet anschließend zwei Raka’a mit der Absicht das rituelle Gebet der Reue und Vergebung (Salat al-Istighfar /Salat at-Tawba) zu verrichten. In jedem Raka’a rezitiert man nach der Sure Al-Fatiha eine weitere Sure, die man kennt. Im Anschluss des rituellen Gebets spricht man das Sayyid al-Istighfar Dua und bittet um die Vergebung seiner Sünden. Kennt man dieses Bittgebet nicht, dann bereut man seine Fehler und Sünden und bittet in seiner Dua aufrichtig um Vergebung. Wenn man in der Vergangenheit das Recht anderer Menschen verletzt haben sollte, bittet man die Betroffenen um Vergebung bzw. versucht eine Wiedergutmachung. Ist man mit jemandem zerstritten, so versöhnt man sich wieder. Man ist bestrebt seine Absichten, Worte und Taten zu verbessern und wendet sich Gott zu. Man erfüllt die Pflichtgebote (Fardh) und beachtet die Sunna. Als erstes lädt man sich selbst und erst dann sein Umfeld dazu ein, das Gute zu gebieten und sich vor Schlechtem zu hüten. Auf diese Weise beginnt man wahrzunehmen, welch besonderen Vorzug und Genuss es hat, den Awliya nahe zu sein.

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Das Rabita in der Qadiriyya Tariqa

Rabita bedeutet, dass das Nour-u Muhammediyye (das Licht Muhammeds), welches auf Awliya (heilige Gottesfreunde) übertragen wird, das Herz des Großmeisters füllt und von dort aus in die Herzen  seiner Schüler fließt.In der hohen Tariqa geht das Nour in die Herzen der spirituellen Führer über, das dann wiederum in die Herzen der Schüler fließt und ihm dadurch die Türe zu Ilham (die Eingebung verborgenen Wissens), Ferasat (Vorahnung) und Mubasherat (Eingebung über zukünftige oder verborgene Angelegenheiten) geöffnet wird. Um Wege und Türe für das Nour zu öffnen, leistet der Schüler zunächst sein Bayat (Treueschwur) bei seinem Sheikh, bindet sein Herz an das Herz des Sheikhs und vollführt das Rabita. Zwischen Herzen existieren Wege.Das Ziel beim Rabita ist, von der spirituellen Kraft (Fayz), die von einem Herzen in das andere übergeht, zu nutzen und durch das Nour Muhammeds, das bis zum Herzen des Sufi-Schülers fließt, die Türen zu Ilham (die Eingebung verborgenen Wissens) im eigenen Herzen zu öffnen. Dieses kann man anhand folgenden Beispiels erklären:Ein Fötus ist im Bauch der Mutter über die Nabelschnur an seine Mutter gebunden. Durch diese Bindung kann er von der Ernährung der Mutter seinen Nutzen ziehen. Wenn diese Schnur aufgrund einer Verursachung reißt oder seine Funktion verliert, stirbt der Fötus im Mutterbauch. Denn das Kind wird durch diese Bindung genährt und wird somit vollkommen, so dass es als Folge auf die Welt kommt. So ist das Rabita wie diese Nabelschnur. Über den Weg des Rabita gehen alle Zustände des Sheikhs, wie Fayz (spirituelle Kraft), Ashq (die höchste Stufe der Liebe) und Muhabbat (Liebe, Zuneigung) auf seinen Schüler über bis dieser vollkommen wird. Auf diese Weise wird der Sufi-Schüler vollkommener und empfängt Ilham, Eingebung verborgenen Wissens.Jene Geschwister, die dem Murshid (Großmeister) Sheikh Sayyid Muhammed Efendi, dem Nachfahren des Propheten folgen, vollführen ihr Rabita jeden Tag regelmäßig. Das Rabita zum Sheikh wird wie folgt vollzogen:Im rituell reinen Zustand (rituelle Waschung Wudhu) wendet man sich der Qibla (Richtung Kabaa) zu und spricht zunächst folgende (Lobpreisungs-)Gebete:

  • 100 mal „Astaghfirullah“ und zum Schluss “Astaghfirullah al-Azîm al-Karim ellazî lâilahe illâ Hû al-Hayya’l-Kayyuma wa atûbu ilayh“
  • 11 mal Salawati Sharif „Allahumma salli ala Muhammedin wa ala alihi wa sahbihi wa sallim“
  • 20 mal Basmala-i Sharif “Bismillahirrahmanirrahim”
  • 1 mal Sure Al-Fatiha
  • 3 mal Sure Al-Ikhlas

Im Anschluss spricht man “Destur Ya Sheikhim Sayyid Hazretleri – Ich bitte um Erlaubnis mein verehrter Sheikh Sayyid.“ und bittet in dem Sinne um Erlaubnis und schließt die Augen.Der Sufi, der sich von nun an seelisch in der Anwesenheit des Sheikhs befindet, ergibt sich derart dem Nour (Licht) des Sheikhs, als würde er sich darin verlieren. In spirituellerAndächtigkeit stellt er sich seinen Sheikh vor bzw. verbildlicht sich ihn. Auf diese Weise fließt Nour in das Herz des Sufis.Mindestens 5 Minuten lang versucht der Schüler diesen spirituellen Zustand zu verinnerlichen und setzt das Rabita so lange wie möglich fort, hört jedoch auf bevor er Überdruss verspürt. Das Rabita stärkt nämlich die Bindung zwischen dem Meister und seinem Schüler und erhöht sein Ansehen bei den Awliya. Sobald der Sufi aus seinem Rabita treten möchte, bittet er mit den Worten „Destur ya Sheikhim Sayyid Hazretleri – Ich bitte um Erlaubnis mein verehrter Scheikh Sayyid“ um Erlaubnis und wendet sein Gesicht (wie beim Abschluss des rituellen Gebets) über seine rechte und linke Schulter uns spricht dabei jeweils den Gruß „As-salamu alaikum wa rahmatullah“.

Im Anschluss des Rabita rezitiert der Sufi

1 mal Bismillahirrahmanirrahim

  • 1 mal Sure al-Fatiha
  • 3 mal Sure al-Ikhlas und beginnt sein Dua (Bittgebet) mit „Subhâne rabbika rabbi’l-izzati ammâ yasifûn wasalâmun ala’l-mursilîn wa’l-hamdulillâhi rabbi’l-âlemîn“ und schenkt die erworbenen Verdienste (Hasanat) als Erstes der Seele des Propheten Muhammed (sas), den Seelen aller Sheikhs und Großsheikhs des Qadiriyya Weges  und den Seelen der Ahlullah, die diesem Weg gedient haben und der Seele unseres Sheikhs Sayyid Muhammed Efendi.

Der Sufi muss sein Rabita fortführen bis dieser die Ebene Fana Fi Sheikh erreicht hat, auf der er mit seinem Meister eins wird und sich in ihm auflöst bzw. bis er eine Anordnung von seinem Sheikh bekommt. Das dreifache Rabita, welches unseren Propheten Muhammed (sas), Pir Abdulqadir Gilani (ks) und Sheikh Sayyid Muhammed Efendi (ks) einschließt, darf nur auf besondere Anweisung unseres verehrten Sheikhs vollzogen werden. So wie ein Arzt seinem Patienten die nötigen Medikamente verschreibt, verordnet Sheikh Sayyid Muhammed Efendi seinem Schüler die nötige spirituelle Medizin, die ihm zu Gute kommt. Außerhalb dieser Anweisungen zu handeln wird dem Sufi nichts nützen; darüber hinaus werden ihn spirituelle Bedrängnis und Beschwerden heimsuchen.Ein Sufi darf niemand anderen in sein Rabita einschließen als den eigenen Sheikh. Wenn er andere Personen in sein Rabita mit einschließt, gerät sein gesamter Leib in Aufruhr und sein spirituelles Gleichgewicht nimmt erheblichen Schaden.Wenn der Meister eines Sufis stirbt, vollzieht der Schüler das Rabita mit seinem verstorbenen Sheikh so lange weiter, bis ein Nachkomme des Propheten aus dem Familienstamm des Sheikhs zur Vollkommenheit heranreift und den Platz des verstorbenen Sheikhs einnimmt. Erst ab diesem Zeitpunkt schließt der Schüler seinen zweiten Sheikh in das Rabita ein.

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Die Bedeutung der Hingabe auf diesem Wege

Auf dem Wege des Derwisch-Seins steht die Hingabe zum Sheikh im Vordergrund. Die Hingabe eines Murids (Sufi-Schüler) ist wie folgt: Abraham (Friede sei mit ihm) sprach zu seinem Sohn Ismail (Friede sei mit ihm) wie folgt: „Mein Sohn, Gott hat mir offenbart, Dich Ihm zu opfern. Ich werde Seinem Befehl folgen und dich opfern.“ Ismail (as) antwortete „Mein Vater, ich werde Gottes Befehl nicht widersprechen und Ihm Folge leisten. Jedoch wirst du, während du mich opferst, bestimmt Mitleid haben. Deshalb binde meine Hände und Füße zusammen, denn ich möchte dir nicht zur Last fallen.“ und spricht weiter „Außerdem ist es besser, wenn ich währenddessen von dir mein Gesicht abwende, denn ich möchte nicht, dass du zögerst, während du Gottes Befehl erfüllst. Meine Mutter liebt mich sehr, ich möchte nicht, dass ihr Herz zerbricht, richte ihr meinen Gruß aus und erkläre ihr mit schönen Worten, dass es ein Befehl Gottes war.“  (Sure 37, Vers 102-108)

Ein Muslim hat die Pflicht, Gott gegenüber Hingabe zu zeigen. Als der Prophet Abraham (as) von Menschen auf einen brennenden Scheiterhaufen geworfen wurde, gerieten die Engel der Himmel in Aufregung und flehten Allah wie folgt an: „Ein Geschöpf erwies Dir seine Dienste und leistete dir Folge. Er wusste um Dich und kannte Dich. Wirst Du es zulassen, dass er von einem solch aufständischen, leugnenden Volk solch ein Unheil erfährt und auf den Scheiterhaufen geworfen wird?“ Allah, der Erhabene erwiderte: „Ihr kennt nicht Meine Weisheit.“ In dem Moment als Abraham ins Feuer geworfen wurde, schickte Er Seine Engel zu Hilfe. Der Engel des Wildwassers sagt: „Ich werde pusten und dieses Feuer vernichten, indem ich es zu einem See mache.“ Und der Engel des Windes sagt: „Ich werde mit dem Wind dieses Feuer auslöschen.“

Der Prophet Abraham rezitiert in dem Moment den Vers “Hasbiyallahu wa Ni’ma’l wakil“ – „Unsere Genüge ist Allah, und wie trefflich ist der Sachwalter!“ (Sure 3, Vers 173). Da Abraham Allah als Sachwalter akzeptiert, befiehlt Allah dem Feuer „Ändere deine Eigenschaft gegenüber Abraham. Erkalte, aber gefriere nicht!“ Wenn der Befehl des Nicht Gefrierens nicht wäre, so wäre Abraham mitten im Feuer vor lauter Kälte erfroren. Wer zu Allahs Freund wird, der wird jeden und alles zu seinem Freund haben.Wenn ein Murid (Geführter, Sufis-Schüler) sich seinem Murshid (Führender, Ordensführer durch besondere Befugis) hingibt, gibt er sich dem Gesandten Allahs und Allah selbst hin. Allah der Erhabene verheißt „Wer dem Propheten Folge leistet, leistet (in Wirklichkeit) Allah Folge.“ (Sure 4, Vers 80) Diese Ergebenheit gewinnt erst dann an Wert, wenn der Murid gewisse Eigenschaften aufweist. Er hat sich Eigenschaften des Propheten Muhammed anzueignen, was nur möglich ist, wenn man auf das Verhalten und die Lebensweise des Gesandten Gottes Acht gibt und nach diesen eifert. Allah, der Erhabene gebietet wie folgt: „Die Diener des Allerbarmers sind diejenigen, die Schlechtes auf gute Weise verbannen; Gaben, die Wir ihnen zuteil kommen lassen, für das Wohlgefallen Allahs nutzen. Und wenn sie unbedachte Rede hören, wenden sie sich davon ab und sagen: ‚Wir haben unsere Taten und ihr habt eure Taten (zu verantworten). Friede sei auf euch! Wir trachten nicht nach (dem Umgang mit) den Toren’.“ (Sure 28, Vers 54-55)

Aus diesem Grund haben Sufis selbst gegenüber missmutigen Menschen nachsichtig zu sein. So wie Allah es gebietet sind sie „diejenigen, die maßvoll und mit Demut auf der Erde umhergehen und die, wenn die Toren sie ansprechen, (ohne verletzend zu sein) ‚Frieden!’ sagen und weiterziehen. Und (auch) diejenigen, die keine Falschaussage bezeugen und, wenn sie im Vorbeigehen unbedachte Rede (hören), würdevoll weitergehen.“ (Sure 25, Vers 63 und 72) Sufis sollten sich also nicht auf jene Menschen einlassen bzw. sich nicht mit jenen auseinandersetzen, die sich selbst und ihre Grenzen nicht kennen. Jene, die danach Streben auf dem Wege der Ahlullah (Gefolgsleute Allahs) zu gehen, sollten sich folgende Charakterzüge aneignen: Ergebenheit bzw. Hingabe, Aufrichtigkeit und Loyalität, Bereitwilligkeit, das Gebieten von Gutem und das Ablehnen von Schlechtem, Reue und das Streben nach Vergebung, Treue, Freundschaft mit Awliya (heilige Gottesfreunde) und ihnen Folge leisten, nach dem Weg Gottes eifern und diesen kundtun, Geduld, Bittgebete (Dua), das Besuchen von Grabstätten und die mentale Vorbereitung auf den Tod und das Jenseits, die Ahlubayt (Nachkommen des Propheten Muhammed) lieben und ihnen dienen, die Werke seines Sufi-Meisters häufig lesen und an seinen Predigten teilnehmen, bei Entscheidungen seinen Sufi-Meister oder dessen Vertreter (Wakil) um Rat fragen und sich von der Liebe zum Materiellen entfernen.

Die Hingabe seinem Sufi-Meister gegenüber ist die wichtigste Voraussetzung für den Schüler, um sich der Vollkommenheit zu nähern. Die Sufis, deren Hingabe tadellos ist, erreichen eine Ebene (namens Fana Fi Sheikh), auf der sie mit ihrem Meister eins werden und sich in ihm auflösen. Die Bedingung dabei ist, dass der Sufi-Schüler seinen Willen in dem Willen seines Meisters verliert. Erst darauf folgend können Sufis Grad für Grad die Ebene (Bakâ billah) erreichen, auf der sie mit Eigenschaften beschmückt sind, mit denen Allah zufrieden ist. Der Person, deren Ergebenheit Mangel aufweist, bleibt das Tor des Marifatullah (Erkenntnis über Allah) verschlossen. Dennoch wird ihr der Verdienst (Hasanat) für ihre Gottesdienste und gute Taten zuteil kommen. Das Ziel der Ergebenheit ist, Krankheiten wie Hochmut und Missgunst zu behandeln. Schließlich sind die Krankheiten Hochmut und Missgunst (Neid) die Quelle aller Sünden und schlechten Taten. Der Shaitan Iblis (Teufel) wurde einst wegen seines Hochmuts von der Barmherzigkeit Allahs ausgeschlossen. Der größte Schaden dieser zwei Eigenschaften ist, dass sie die charakterlich ursprünglich reine Beschaffenheit des Menschen zerstören. Ebenso fügen Organe, die ihre funktionelle Beschaffenheit verloren haben, der Seele und dem Körper des Menschen Krankheiten zu. Es ist offenkundig, dass die göttlichen Phänomene nicht in einem Herzen wirken können, das seine ursprünglich reine Beschaffenheit verloren hat. Allah, der Erhabene offenbart wie folgt: „[…] und ihre Herzen wurden versiegelt; so verstehen sie nicht.“ (Sure 9, Vers 87)

“(Oh Muhammed) Hast du den gesehen, der sich seine eigene Neigung zum Gott nimmt und den Allah auf Grund (Seines) Wissens zum Irrenden erklärt und dem Er Ohren und Herz versiegelt und auf dessen Augen Er einen Schleier gelegt hat? Wer sollte ihn außer Allah wohl richtig führen? Bedenkt ihr denn nicht?“ (Sure 45, Vers 23)

Die Praxis des Halaqa-Dhikrs

  • In der Qadiriyya Tariqa kann das Dhikr an jedem Ort verrichtet werden, sobald drei Murids (Sufi-Schüler) zusammentreffen. Denn unser Prophet Muhammed verhieß „Die ganze Erde entspricht einer Gebetstätte (Masjid)“. (siehe Buhârî, Teyemmum, 1; Muslim, Mesâcid, 3.)

In dem Qadiriyya Orden kann man den offenkundigen (Jahri/Djahri/Cehri) Dhikr an jedem Ort vollführen, am dem man auch das rituelle Gebet verrichten kann. Das Dhikr leitet der Murshid (Sufi-Großmeister) oder sein Wakil (VertreterIn) oder jemand, der von einem dieser die Erlaubnis dafür bekommen hat. Wenn unter den Murids solche Gegebenheiten nicht bestehen, wählen sie gemeinsam jemanden, der den Dhikr leiten soll. Bei dem Halaqa-Dhikr (Dhikr-Kreis) gibt es keine örtliche oder zeitliche Einschränkung. Um einen Dhikr-Kreis bilden zu können, benötigt man jedoch die Erlaubnis unseres verehrten Sheikhs. Die Qadiriyya-Schüler setzen sich im rituell reinen Zustand (Wudhu), meist auch im Anschluss des rituellen Gebets, in einen Kreis. Sie können auch gerade Reihen bilden, die sich gegenüber liegen. Jedoch ist es spirituell vorzüglicher einen Kreis zu bilden. Jene, die keine Sufis sind oder einer anderen Tariqa angehören, können mit der Erlaubnis am Dhikr-Kreis teilnehmen. Außerdem können sie auch direkt hinter dem Kreis Platz nehmen. Das Dhikr, welches man im Sitzen verrichtet nennt man „Quudî Dhikr“ und in der Regel wird sowohl das Wîrd (tägl. Tasbih-Aufgabe) als auch das Dhikr auf diese Weise verrichtet. Dabei kniet man auf dem Boden, wippt auf und ab, verneigt den Oberkörper oder nur den Kopf nach rechts und nach links.

Das Dhikr, welches man im Stehen verrichtet, nennt man „Qiyâmî Dhikr“. Hierbei werden in der Regel das Tawhid („Lailaheillallah“), Ismi-Jalal („Allah“), Ismi Hayy („Hayy“) und Ismi Hu („Hu“) rezitiert. Man verneigt sich nach rechts und links, hält den nebenan Stehenden an der Hand oder hakt sich bei ihm ein, oder legt seine Hand auf die Schulter des rechten Partners und seine linke Hand an den Rücken des linken Partners und bewegt sich nach rechts und links, pendelartig hin und her. Sobald sich der Dhikr-Kreis nach links oder rechts fortbewegt, wird dies als „Dewrani Dhikr“ bezeichnet. Man setzt mit dem rechten Fuß den ersten Schritt nach rechts und hält den linken Fuß etwas hinten, bewegt sich im Einklang nach rechts und links und dreht sich somit als ein Kreis am Ort des Dhikrs. Man rezitiert „Allah“, „Hayy Hayy“, „Huu Huu“, „Allah Hay“, „Ya Allah Hayy“ und weitere Asmaa-Dhikr. Das Dhikr mit Anasheed (religiöse Lieder) und mit Instrumenten wie Bandir, Daf, Kudum, Nay, Halile, u.ä. zu begleiten, wird als erlaubt angesehen.

Es ist wichtig, das Dhikr nach seinen Prinzipien und mit dem nötigen Anstand zu verrichten, die Harmonie und den Einklang nicht zu stören und den Dhikr-Kreis ohne die Erlaubnis des Leitenden bzw. ohne dringlichen Grund nicht zu verlassen. Außerdem ist es von Nöten, seine Aufrichtigkeit, reine Absicht (Ikhlas) und Frömmigkeit (Taqwa) stets im Auge zu behalten, sich von Angeberei und Imponiergehabe (Riya) fernzuhalten und Gedanken, Worte und Taten jeder Art, die die Wahrnehmung spiritueller Kräfte während des Dhikrs verhindern, zu entsagen.

Ein Teil des Halaqa Dhikrs, das unser Großmeister Sheikh Sayyid Muhammed Efendi uns über viele Methoden gelehrt hat, wird wie folgt verrichtet:

  • Audhu Basmala (Audhubillahiminashaitanirrajim Bismillahirrahmanirrahim)
  • Innallâhe wa Malâikatahû Yusallûne Alannabiy, Yâ Eyyühallazîna Âmenû Sallû Aleyhi ve Sallimû Teslîmâ
  • Sâlât-ı Sharîf (as-Salâtu wa’s-Salâmu alayke yâ Rasûlallâh, as-Salâtu wa’s-Salâmu alayke yâ Habîballâh, as-Salâtu wa’s-Salâmu alayke yâ Sayyida’l-Awwalîna wa’lÂhirîn wa Salâmun ala’l-Mursalîn wa’l-Hamdu lillâhi Rabbi’l-Âlemîn)
  • Das Wîrd der Tariqa (Abdulqadir Gilanis Salawat bzw. Dua)
  • 1 mal Sure an-Nasr
  • 1 mal Sure al-Fatiha
  • 3 mal Sure al-Ikhlas
  • Nach der Rezitation einer jeweiligen Sure wird jedes Mal „Allahu Akbar, Lâilaheillallâhu Allahu Akbar, Allahu Akbar wa lillâhilhamd“ gesprochen.
  • Sâlât-ı Sharîf (siehe oben)
  • 11 mal Ismi Hû („Huuuu“. An dieser Stelle wird das Hû lange gesprochen)Anschließend spricht man:
  • “Destur Yâ Seyhim, Destur Yâ Abdulkadir Geylânî, Teslimiz Yâ Rasûlüllah” (türkisch)„Ich bitte um Erlaubnis oh mein Sheikh, ich bitte um Erlaubnis oh Abdulqadir Gilani, wir sind ergeben oh Rasulallah“ (deutsch)
  • Basmala Sharif 11-100 mal („Bismillahirrahmanirrahim“)
  • Sâlât-ı Sharîf (siehe oben)
  • Salawat („Allahumma Salli alâ Sayyidinâ Muhammedin wa alâ Âlihî wa Sahbihî wa Sallim“)
  • Astagfirullah al-Azim al-Karim allazî Lâilaheillâ Hû al-Hayya’l-Kayyûma wa Atûbu ilayh wa Asaluhu’t-tawbata wa’l-magfirate wa’l-hidâyete lenâ innahû Huwa’ttawwâbu’r-rahîm(3 mal)
  • Istighfar 100 mal („Astaghfirullah“) und am Ende wird abgeschlossen mit „Astaghfirullah al-Azim al-Karim ellazî Lâilaheillâhû al-Hayya’l-Kayyûma wa Atûbu ilayh Tawbata Abdin Zâlimin li-nafsihî la Yamliku li-nafsihi Mawta’w-welâ Hayâte’wwelâ Nushûra.“
  • Sâlât-ı Sharîf (siehe oben)
  • Wa’lam Annahû Lailaheillallah – „Lailaheillallah“ 100-300 mal
  • Rezitation der letzten Verse der Hashr-Sure. („Law Enzalna Haza’l-Qurana…“)
  • Bis hierhin wird das Dhikr als Quudî Dhikr, also im Sitzen, verrichtet und von nun an im Stehen weitergeführt.
  • „Lailaheillallah“ 100-700 mal und am Ende wird abgeschlossen mir „al-Maliku’l-Hakku’l-Mubîn Muhammadu’r-rasûlullah Sâdiku’lwa’di’l-emîn.“
  • Sâlât-ı Sharîf (siehe oben)
  • Ismi Jalal 100-1000 mal („Allah“) und am Ende abschließen mit „Jalla Jalaluhu wa amma Nawâluhû wa Lâilahe gayruh“
  • Das Qiyâmî Dhikr wird mit weiteren Asmâs wie „Illallah, Allah, Allah Hayy, Hayy Hayy, Hû“, die die leitende Person zeigt, fortgesetzt. Dabei steigt das Tempo an und wird dann wieder langsamer. Wenn die Leitung ein Zeichen gibt, wird in das „Dewrani Dhikr“ übergegangen.
  • Man rezitiert Sâlât-ı Sharîf (siehe oben) und setzt sich wieder hin.
  • Sâlât-ı Sharîf (siehe oben)
  • Ismi Jalal 100-300 mal („Allah“)
  • Sâlât-ı Sharîf (siehe oben)
  • „Ya Latîf“ 100-300 mal
  • Es ist auch möglich das „Ya Latîf“ kurz zu halten und dazu noch Asma’ul Husna (die schönsten Namen Allahs) zu rezitieren.
  • Rezitation der letzten zwei Verse der Sure al-Baqara. („Amanarrasulu…“)

Dua (Bittgebet)

Die hier angegebene Anzahl von Dhikr kann von Seiten der leitenden Person verringert oder erhöht werden. Es gehört zum Anstandsverhalten des Dhikrs bzw. des Sohbets, im Anschluss der Dua in Begleitung von Takbir und Salawat-i Sharif sich die Hand zu geben und zu umarmen (Musafaha).

Die Qadiriyya Tariqa

Die Qadiriyya Tariqa ist als Erstes vom Propheten Muhammed (sas) auf Imam Ali (möge Allahs Wohlgefallen auf ihm sein) und von ihm über drei Abzweigungen auf Abdulqadir Gilani (ks) übergegangen. Sie ist der Weg, der Gilanis unvergleichbare Einsicht in den Sufismus und Ilm-i Ledun (verborgenes Wissen durch Eingebung von Allah) beinhaltet und wurde später als „Qadiriyya Tariqa“ benannt.

Die Vorzüglichkeit auf dem Wege der Qadiriyya zu sein

Diese Tariqa (Sufiorden) wurde vom verehrten Sayyid Muhammed el-Kadiri, welcher zu den Nachfolgern Abdulqadir Gilanis und zu den Vorfahren unseres Großmeisters Sheikh Sayyid Muhammed gehört, errichtet und dem Gründernamen nach als „Qadiriyya Muhammediyya Tariqa“ benannt. Die Muhammediyya Gründung ist im Grunde die Gründung der Qadiriyya, zu welcher auch die Naqshbandiyya, Ebheriyya und die Mevleviyya Tariqa mit einfließen. Alle zusammen haben sich zu einem Ozean vereint, der einen zu Allah führt. Diese hohe Tariqa (Tariqa Aliyya) ist ein Weg, der durch die spirituelle Kraft (Feyz) des verehrten Abdulqadir Gilani, Shah Naqshband und Halid-i Bagdadi, des Hamîduddin Kayseri (Somuncu Baba), Sayyid Burhaneddin und des Mevlana Dschelaleddin Rumi einen Weg der Vollkommenheit erreicht.

Der  Qadiriyya Weg führt auf die Ahlu Bayt, der Familie des Propheten Muhammed, zurück und ist das Tor zur Marifa’ (Erkenntnis), das sich bis Abdulqadir Gilanis Sufi-Schule erstreckt. Allahs Gesandter Muhammed (sas) verheißt:

  • „Wer meine Ahlu Bayt liebt, den wird mein Schöpfer vor dem Höllenfeuer wahren.“
  • „Jener, der die Ahlu Bayt liebt, wird als Märtyrer sterben.“ (siehe Kurtubî Tafsir 16/21 (Şurâ 23))

Derjenige, der sich an die Pforte der hohen Glückseeligkeit begibt, wie es der Muhammediye Weg ist, hat seinen Bayat (Treueschwur) Abdulqadir Gilani geleistet. Wer ihm seine Treue schwört, hat seinen Bayat dem verehrten Gesandten Allahs Muhammed geleistet. Wer ihm (sas) seine Treue schwört, der hat auch Allah seinen Bayat geleistet. Allah, Der Erhabene verkündet: „Gewiß, diejenigen, die dir den Treueid leisten, leisten (in Wirklichkeit) nur Allah den Treueid“. (Sure 48, Vers 10)

Wenn einer unserer Geschwister den Namen einer der Gefolgsleute Allahs (Ahlullah) erwähnt, ist er darüber genauso im Wissen, wie wenn man Salawat (Friedensgruß) über unseren Propheten spricht (sas) und er diesen Gruß erwidert. Denn sobald jemand Salawat über den Gesandten Allahs spricht, erwidert der geliebte Prophet ihm mit „Meine Fürsprache sei mit Dir“ (siehe Ebu Davud, Menâsik 96; Tirmizî, Salât 357, Daavât, 100; Nesai, Sehv 46,55; u.a.). Auf diese Weise wird auch den Menschen, die die gesegneten Gottesfreunde (Awliya) im Guten erwähnen, erwidert.

Die Geschwister, die ihr Herz an den Muhammediye Weg binden, werden sich von der Spiritualität der Awliya (heilige Gottesfreunde) dieser vier Wege im Sufismus (Qadiriyya, Naqshibandiyya-Halidi, Mevleviyya und Ebheriyya) nähren. Sowie jene Geschwister, die sich dem Weg der Gefolgsleute Allahs (Ahlullah) anschließen, vor dem Feuer bewahrt werden, werden sie für andere zudem Fürsprache einlegen können. Je nach ihrer Stufe werden sie für drei bis 70 Menschen Fürsprache einlegen und gemäß des Geheimnisses, das hinter dem Hadith „Das Grab ist für die Gläubigen ein Garten der Gärten des Paradieses“ (siehe Tirmizî, kıyamet 206) steckt, weder Todesschmerzen noch Qualen im Grab erleiden. Wenn die Geschwister, die für den Weg der Gefolgsleute Allahs (Ahlullah) den Treueeid (Bayat) geleistet haben, ein Grab aufsuchen, in dem sich Grabespein ereignet, und drei mal die Sure Al-Ikhlas und einmal die Sure Al-Fatiha rezitieren, werden die Qualen aufgehoben, wenn der Gepeinigte zu Ahlu Iman (Gemeinschaft der Gläubigen) angehört. Und wenn die Geschwister unseres Weges bei einer Bestattung anwesend sind, werden dem Verstorbenen aufgrund ihrer Anwesenheit seine Sünden vergeben.

Der Grund dieser Gegebenheit ist folgender:

Jene Flüsse, die in das Meer münden und sich mit diesem vermischen, gelten als Meerwasser. So gelten die Geschwister, die die Pforte eines Awliya (heilige Gottesfreundes) aufsuchen und sich an diesen binden, als Auserwählte des Gottesweges. In der Gemeinschaft von Abdulqadir Gilani, zählen diese Geschwister zu der Gemeinschaft der Awliya. Sowie die Bittgebete der Awliya erfüllt werden, werden auch die Bittgebete ihrer Schüler, gemäß des Geheimnisses, das hinter dem Vers „Nicht Du hast geworfen, als Du geworfen hast, sondern Allah hat geworfen“ (Sure 8, Vers 17) steckt, gemeinsam die Ebene der Erfüllung erreichen. Awliya besitzen die Fähigkeit zum Beistand (Himmat). Man sollte von ihnen Beistand erwarten, so folgt ihr Beistand dem Hilferuf in der Enge und Not. Die Wunder der Propheten und die Wundertaten der Awliya sind rechtmäßig. Die Wunder der Propheten wurden den Awliya als Wundertaten hinterlassen. Für Awliya gibt es kein nah und fern, denn sie können die Grenzen von Raum und Ort (selbstverständlich mit Allahs Hilfe) übergehen (Tayy al-Makan). Wir beten zu Allah, dass Er uns nicht vom wahren Weg trenne und unseren Ausgang im Jenseits für uns zum Guten wende. (Amin)

zusammengefasst und entnommen aus :

http://www.qadiriyya.de/

Später mehr  zum Unterschied der Muhammadiyya Qadiriyya und der Aliyya Qadiriyya Tariqah.

 

Shaikh Hafiz Hayri Baba ra

 

 

 

 

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