Archiv für Christentum

christliche Kritik am Barnabasevangelium / Buchrezension, Teil2

Das Barnabasevangelium – Wahres Evangelium oder Mittelalterliche Fälschungvon Dr. Christine Schirrmacher

    Zur ersten deutschen Ausgabe des Barnabasevangeliums (Turban Verlag: Bonndorf, 1994. 319 S.)

Nun ist es also soweit: Das sogenannte ‘Barnabasevangelium’ liegt auch auf deutsch vor. Es trägt den Titel: Das Barnabasevangelium. Wahres Evangelium Jesu, genannt Christus,eines neuen Propheten von Gott, der Welt gesandt,gemäß dem Bericht des Barnabas, seines Apostels.

Die deutsche Herausgabe dieses Textes wurde von einem zum Islam konvertierten deutschen Ehepaar unternommen. Beide sind Mitglieder des mystischen Derwischordens der Naqshbandiyya, dessen Wurzeln in das 14. Jahrhundert zurückreichen. Der erst vor wenigen Jahren von ihnen gegründete Turban-Verlag, in dem jetzt auch das Barnabasevangelium erschien, führt größtenteils Titel muslimischer Autoren. Die Übersetzung des Barnabasevangeliums ins Deutsche ist vom Sprachlichen her ebenso gut gelungen wie die solide äußerliche Gestaltung des Buches.

Was hat es mit diesem Barnabasevangelium auf sich? Wenn der Leser das kurze Vorwort und den Klappentext des Buches studiert, erhält er den Eindruck, eine Originalquelle des frühen Christentums sei nach vielen Jahrhunderten endlich wieder aufgetaucht.

Die Herausgabe des Barnabasevangeliums auf deutsch (es erschien bis heute in mindestens 6-8 weiteren Sprachen) ist eine Fortsetzung der christlich-muslimischen Kontroverse um eine Schrift, die für sich selbst den Anspruch erhebt, das einzig wahre Evangelium zu sein. Von muslimischen Apologeten wird es auch fast durchgängig für das wahre Evangelium Jesu Christi gehalten, während Nichtmuslime es fast ebenso ausschließlich als Fälschung aus dem Mittelalter ablehnen. Diese Kontroverse begann bereits Anfang des 18. Jahrhunderts, als die ersten Stellungnahmen pro und contra Barnabasevangelium in Europa und in Indien veröffentlicht wurden.

Lange war nur ein einziges Exemplar dieses Evangeliums in italienischer Sprache bekannt, das heute für jeden Interessierten in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien einzusehen ist. Bekommt man in Wien dieses kleine Bändchen in die Hand, kann man kaum glauben, daß dieses Buch in den letzten 100 Jahren zwischen Christen und Muslimen so viel Unruhe ausgelöst hat.

Außer dem italienischen Manuskript sind aus dem 18. Jahrhundert zwei spanische Manuskripte bekannt, von denen eines als vollkommen verschollen gelten muß, während das andere als unvollständiges Manskript erst 1976 erneut in Sydney aufgefunden wurde, wo es sich noch heute befindet. Außer dem italienischen und den beiden spanischen Handschriften wurde nie eine griechische, lateinische oder hebräische Handschrift aufgefunden und niemals ein echter historischer Beweis dafür erbracht, daß das Barnabasevangelium vor dem 16. Jahrhundert existiert hat.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Christen in der islamischen Welt mit so vielen Gerüchten über dieses angeblich wahre Evangelium konfrontiert, von dessen Text zu diesem Zeitpunkt lediglich Bruchstücke veröffentlicht waren, daß sich zwei Mitarbeiter der Anglikanischen Kirche, Lonsdale und Laura Ragg, zu einer vollständigen Edition und Übersetzung des italienischen Textes auf englisch entschlossen. 1907 erschien die zweisprachige italienisch-englische Edition. 1908 wurde das Barnabasevangelium bereits auf arabisch übersetzt. Danach hat es in der islamischen Welt eine ungeheure Rolle als Waffe gegen das Christentum gespielt.

Warum treten Muslime derart vehement für dieses Evangelium ein? Weil es vorgibt, das einzige Evangelium von einem Augenzeugen des Lebens Jesu zu sein, und den Anspruch erhebt, die Wahrheit über das Christentum zu enthalten. Gleichzeitig lehnt es die grundlegenden christlichen Glaubenssätze ab, die auch der Islam verwirft: Das Barnabasevangelium leugnet die Gottessohnschaft Jesu, seinen Erlösertod am Kreuz und seine Auferstehung. Damit wird es als ‘christliches’ Evangelium zum Kronzeugen gegen das – wie Muslime meinen, entartete und verfälschte – paulinische Christentum, während es gleichzeitig die Aussagen des Korans bestätigt. Daß die wahre christliche Offenbarung also nicht mit dem Islam im Widerspruch steht, sondern mit ihr harmoniert ist ein immer wieder vorgebrachtes muslimisches Dogma, das – aus muslimischer Sicht – durch das Barnabasevangelium bestätigt wird.

Das Evangelium, das jüdische, christliche und muslimische Elemente in sich vereinigt, schildert die Lebensgeschichte von Jesus Christus und seinen Jüngern von der Ankündigung der Geburt Jesu bis zu seinem Tod, es berichtet von Jesu Wundern, seinen Gleichnisse und Belehrungen, vom letzten Abendmahl, dem Verrat, dem Prozeß und der Kreuzigung, der das Barnabasevangelium eine islamische Deutung gibt: nicht Jesus, sondern Judas stirbt am Kreuz. Diese ‘Ersatztheorie’, die besagt, daß Judas mit Jesus verwechselt wurde und an seiner Stelle am Kreuz starb, ist heute die wohl am häufigsten anzutreffende Meinung unter muslimischen Theologen über die Kreuzigung. Die einzige Aussage des Korans über die Kreuzigung in Sure 4,157-158 spricht nur in dunklen Andeutungen über das Ereignis und könnte so ausgelegt werden, daß nicht Jesus, sondern ein anderer gekreuzigt wurde. Mit der Erklärung, dies sei Judas gewesen, legt das Barnabasevangelium gewissermaßen den Koran aus.

Wohl für jeden Nichtmuslim, der das Barnabasevangelium nicht aus Parteinahme für den Islam verteidigen möchte, gibt es schwerwiegende Gründe, die gegen die Echtheit dieses Evangeliums sprechen, denn alles deutet auf eine Abfassungszeit zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert hin. Viel schwieriger ist die Frage nach der Absicht und den Umständen der Abfassung des Barnabasevangeliums zu beantworten. Nichtmuslime gehen meist davon aus, daß ein ehemaliger Christ, der zum Islam konvertiert und daher sowohl mit dem Christentum als auch mit dem Islam vertraut war, solch ein Evangelium verfaßt haben könnte. Dies geschah möglicherweise aus Rache am Christentum aufgrund der spanischen Inquisition im 16./17. Jahrhundert, denn Spanien ist ein möglicher Ursprungsort des Barnabasevangeliums.

Da muslimische Apologeten davon ausgehen, daß das Barnabasevangelium ein frühchristliches Dokument ist, versuchen sie, die Echtheit des Barnabasevangeliums zu beweisen, indem sie nach Spuren oder Vorläufern des Textes in der frühchristlichen Kirchengeschichte suchen. Es werden mehrere Dokumente aus der frühchristlichen Kirchengeschichte angeführt, um zu ‘belegen’, daß der Autor des Barnabasevangeliums und dieser frühchristlichen Dokumente miteinander identisch seien.

Zu den Dokumenten, die von muslimischen Apologeten dafür herangezogen werden, gehört der kurze Barnabasbrief: Er enthält jedoch nur kurze 21 Kapitel, während das Barnabasevangelium 222 lange Kapitel umfaßt. Muslime führen weiter die Barnabasakten an: Dies ist ein pseudoepigraphisches Werk aus dem 5. Jahrhundert auf Griechisch. Ebenso ist der häufig genannte Codex Barocci 39 nur ein kurzes Textfragment, das keinen Hinweis darauf gibt, es könnte mit dem heutigen Barnabasevangelium übereinstimmen. Das ‘Decretum Gelasianum de libris recipiendis et non recipiendis’ aus dem 4./5. Jahrhundert n. Chr. führt zwar ein Barnabasevangelium in der Liste seiner Schriften auf, aber von diesem Barnabasevangelium ist nichts erhalten, so daß es reine Spekulation bleiben muß, daß dieses Barnabasevangelium mit dem heutigen Text etwas zu tun haben könnte. Gleichermaßen verhält es sich mit dem ‘Verzeichnis’ der 60 Kanonischen Bücher’ aus der Zeit des 7. bis 8. Jahrhunderts, das ein Barnabasevangelium namentlich aufführt. Alle Dokumente wie auch die frühchristliche Kirchengeschichte insgesamt geben jedoch keinerlei Hinweise darauf, daß jemals eine Verbindung zu dem Barnabasevangelium existiert hat, um den sich die christlich-muslimische Kontroverse heute dreht.

Das heute vorliegende Barnabasevangelium enthält islamisches Gedankengut, das – obwohl außer von der Person Muhammads nirgends offiziell vom Islam die Rede ist – stark an den Koran und die muslimische Überlieferung erinnert. Da der Islam erst im 7. Jahrhundert n. Chr. enstand, kann das Evangelium nicht aus frühchristlicher Zeit stammen. Etliche Aussagen des Barnabasevangeliums sind zudem mit der Geschichte und Geographie Palästinas unvereinbar, so daß es kaum vorstellbar scheint, der Autor des Barnabasevangeliums könnte in Palästina gelebt haben. Darüberhinaus fehlt eine verläßliche Quelle, die vor dem Beginn des 18. Jahrhunderts von dem Inhalt des Barnabasevangeliums berichtet. Aber auch darüberhinaus sprechen etliche Anhaltspunkte aus dem Text selbst für ein spätmittelalterliches oder frühneuzeitliches Abfassungsdatum zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert. So machen etwa folgende Beispiele eine Datierung des Textes in die das erste nachchristliche Jahrhundert unwahrscheinlich:

Das Barnabasevangelium erhebt den Vorwurf der Verfälschung des Alten Testamentes durch die menschlichen Traditionen der „falschen Pharisäer“, obwohl die Partei der Pharisäer erst zwischen 135 und 104 v. Chr. entstand.

Mehrere Propheten wie Adam, Abraham, Ismael, Mose, David und Jesus, der Sohn der Maria, werden als „Gesandte Gottes“ bestätigt: Dies ist zwar die Sicht des Korans, aber keine christliche Anschauung, die zwischen Adam, Abraham und Jesus erhebliche Unterschiede macht und nicht alle gleichermaßen als ‘Gesandte’ bezeichnet.

Adam rezitiert im Barnabasevangelium sogar das islamische Gaubensbekenntnis, das zu frühchristlicher Zeit natürlich noch niemand gekannt haben kann, da der Islam erst im 7. Jahrhundert n. Chr. entstand.

Die Verheißung der Geburt Jesu wurde, wie das Barnabasevangelium berichtet, Ismael, nicht Isaak gegeben, und Ismael wurde statt Isaak von Abraham geopfert: Dies ist die islamische Sicht der Abrahamsgeschichte, aber keine christliche Anschauung.

Jesus stammt im Barnabasevangelium nicht von David ab: In der Bibel eine klar bezeugte Aussage.

An Maria und Joseph ergeht im Barnabasevangelium der Befehl Gottes, Jesus von Wein, starkem Getränk und unreinem Fleisch – also Schweinefleisch – fernzuhalten: Das Verbot von Schweinefleisch und Wein ist jedoch ein islamisches Verbot, kein christliches.

Jesus ist nach Aussage des Barnabasevangeliums nur zu Israel gesandt: Das entspricht der muslimischen Theologie, die davon ausgeht, daß jeder Prophet der Geschichte nur partiell zu seinem besonderen Volk gesandt war. Nur Muhammad war nach muslimischer Ansicht zu der ganzen Welt gesandt.

Als Jesus im Barnabasevangelium seine Offenbarung im Alter von 30 Jahren erhält, wird er beim Mittagsgebet von einem hellen Licht umstrahlt und von Engeln umgeben, während der Engel Gabriel Jesus ein Buch übergibt, das in sein Herz eindringt: Es ist eine muslimische Ansicht, daß der Engel Gabriel Muhammad seine Botschaft übermittelte.

Jesus bezeichnet Muhammad im Barnabasevangelium als den Größeren, dem er nicht wert ist, den Schuhriemen aufzulösen: Hier übernimmt Jesus die Rolle Johannes des Täufers aus dem Neuen Testament.

Jesus kündigt im Barnabasevangelium das Kommen Muhammads an und nennt auch schon den Namen Muhammad. Jesus bittet Gott, Muhammad zu senden, um die Welt zu retten: Niemand hat zur Zeit Jesu gewußt, daß sechs Jahrhunderte nach Jesu Tod Muhammad auf der Arabischen Halbinsel für sich in Anspruch nehmen würde, von Gott gesandt zu sein und die Wahrheit zu predigen. Aus christlicher Sicht ist es unmöglich, daß Jesus Muhammad ankündigte und Gott, seinen Vater, bat, Muhammad zu senden.

Die Kreuzigung des Judas im Barnabasevangelium entspricht nicht den Berichten der Evangelien: Hier wird eine islamische Deutung der Kreuzigung vorgenommen, die jedoch mit der einzigen Koranstelle zur Kreuzigung (Sure 4,157-158) in Einklang gebracht werden könnte.

Das Barnabasevangelium nimmt bereits eine apologetische Deutung des Christentums vor, wenn es darauf anspielt, daß der Apostel Paulus von einigen christlichen Dogmen abgewichen sei. So beklagt Barnabas etwa, von Paulus zu der Lehre von der Gottessohnschaft Jesu verführt worden zu sein. Daß Paulus der ‘Verderber’ des ursprünglichen Christentums sei, ist eine Anschauung, die von europäischen Bibelkritikern und islamischen Apologeten gleichermaßen immer von neuem wiederholt wird, aber für bibeltreue Christen falsch sein muß.

Gleichzeitig muß an dieser Stelle betont werden, daß es auch Aussagen im Barnabasevangelium gibt, die weder mit dem Koran noch mit der Bibel in Einklang zu bringen sind. Zu den vom Koran abweichenden Aussagen gehören etwa Barnabas’ Ausführungen über die Hölle als einem nur zeitweiligen Aufenthaltsort der Sünder, denn der Koran läßt keinen Zweifel daran, daß einmal in die Hölle Verbannte dort auf ewig bleiben müssen.

Im Widerspruch zum Koran steht auch die im Barnabasevangelium immer neu wiederholte Aussage, daß Muhammad der Messias sei, während es gleichzeitig mehrfach leugnet, daß Jesus der Messias ist. Es bezeichnet Jesus jedoch als „chrissto“ (Christus). Man hat daher vermutet, daß der Autor nicht wußte, daß ‘Christus’ die griechische Übersetzung des hebräischen ‘Messias’ (‘der Gesalbte’) ist.

Im Koran wird Jesus in Jerusalem geboren, im Barnabasevangelium in Bethlehem. Im Koran kommt er unter einer Palme zur Welt, im Barnabasevangelium in einer Herberge. Im Koran leidet Maria große Schmerzen bei der Geburt (vgl. Sure 19,23), im Barnabasevangelium bringt sie Jesus ohne Schmerzen auf die Welt. Der Koran kennt sieben Himmel (Sure 2,29), das Barnabasevangelium neun. Der zehnte Himmel ist dort das Paradies. Das Barnabasevangelium tritt eindeutig für die Monogamie ein, während die Mehrzahl der Muslime in Sure 4,3 eine Erlaubnis zur Heirat von bis zu vier Frauen erkennt.

Das Barnabasevangelium selbst weist darauf hin, daß das ursprüngliche Evangelium verfälscht worden sei. Wäre Barnabas tatsächlich ein Zeitgenosse Jesu gewesen, wäre das Neue Testament noch gar nicht abgeschlossen gewesen. Damit hätte das Barnabasevangelium sein eigenes Schicksal vorausgesagt. Zudem macht der Autor des Barnabasevangeliums durch geographische und historische Mißgriffe deutlich, daß er weder Palästina jemals besucht noch im ersten nachchristlichen Jahrhundert gelebt haben kann:

Im Barnabasevangelium ist Nazareth ein Ort an der Küste des Sees Genezareth. Nazareth liegt jedoch auf einem Hügel. Jesus steigt nach dem Bericht des Barnabasevangeliums vom See Genezareth nach Kapernaum hinauf. Kapernaum liegt jedoch direkt am See Genezareth. Das Barnabasevangelium berichtet, daß Jesus in ein Schiff gestiegen und nach Jerusalem gefahren sei. Jerusalem liegt jedoch im Landesinneren und ist nicht per Schiff erreichbar. Ninive liegt nach der Beschreibung des Barnabasevangeliums in der Nähe der Mittelmeerküste. Es ist jedoch am Tigris im Landesinnern gelegen.

Die Zeitangaben zur Geburt Jesu im Barnabasevangelium stimmen im Verhältnis zu den Amtszeiten des Pilatus, Ananias und Kaiphas nicht mit der historischen Überlieferung überein. Das Barnabasevangelium berichtet von 600.000 römischen Soldaten in Palästina. So viele Soldaten gab es im ersten nachchristlichen Jahrhundert jedoch möglicherweise nur im gesamten Römischen Reich, keinesfalls jedoch in Palästina. Das Barnabasevangelium berichtet von 17.000 Pharisäern zur Zeit des Alten Testamentes. Die Partei der Pharisäer entstand jedoch erst im zweiten vorchristlichen Jahrhundert. Das Barnabasevangelium beschreibt einen europäischen Sommer: „alles trägt Frucht“. In Palästina regnet es jedoch im Winter, und im Sommer ist das Land trocken.

Die Herausgeber der ersten italienisch-englischen Edition des Barnabasevangeliums Lonsdale und Laura Ragg wiesen zudem bereits auf auffällige Parallelen zwischen dem Barnabasevangelium und den Werken des größten italienischen Dichters Dante Alighieri (1265-1321) wie etwa ‘La divina commedia’ (Die göttliche Komödie) hin, und zwar insbesondere hinsichtlich Dantes Darstellungen von Himmel, Hölle und Paradies. So stimmt etwa die Zahl von neun, bzw. einschließlich des Paradieses von zehn Himmeln aus dem Barnabasevangelium ebenso wie die Unterteilung der Hölle in sieben Zentren mit Dantes Schilderung von zehn Himmeln überein. Was die unmittelbare Beziehung beider Texte zueinander betrifft, so hat Lonsdale Ragg, ein Experte für italienische mittelalterliche Literatur – die Vermutung geäußert, daß das Barnabasevangelium und Dantes „Göttliche Komödie“ zwar unabhängig voneinander, aber hinsichtlich ihres Umfeldes in enger Beziehung zueinander entstanden sind. Die wahrscheinlichste Abfassungszeit des Barnabasevangeliums liegt für Lonsdale Ragg zwischen 1300 und 1350. Nachfolgende Forscher haben diesen Zeitraum bis etwa zum 16. Jahrhundert erweitert. Folgende Fakten sprechen für eine mittelalterliche Abfassungszeit:

Nach der Beschreibung des Barnabasevangeliums wird das ‘Jubeljahr’ im Abstand von 100 Jahren gefeiert, während das Alte Testament einen 50jährigen Zeitraum nennt. Im Jahr 1300 n. Chr. setzte Papst Bonifatius VIII. die Jubeljahrfeier auf einen 100jährigen Turnus fest. Aber schon im Jahr 1343 verkürzte Clemens VI. die Zeit auf 50 Jahre und kündigte das nächste Jubeljahr für das Jahr 1350 an. So war die Frist für die Feier des Jubeljahres nur zwischen 1300 und 1343 auf einen 100jährigen Abstand festgelegt, wie das Barnabasevangelium beschreibt. Urban VI. verkürzte 1389 die Frist auf einen 33jährigen und Paul II. im Jahr 1470 auf einen 25jährigen Abstand, der bis zur Gegenwart beibehalten wurde.

Das Barnabasevangelium tritt für Verhaltensweisen ein, die stark an die mittelalterliche Mönchsaskese erinnern. So wird an etlichen Stellen Lachen als Sünde verurteilt, Weinen gilt jedoch als Zeichen geistlichen Lebens. Das Barnabasevangelium zitiert Bibelverse nach der lateinischen Vulgataübersetzung, die erst Ende des vierten Jahrhunderts entstand und zur offiziellen katholischen Bibel wurde. Das Barnabasevangelium berichtet, Jesus und seine Jünger hätten „die 40 Tage gehalten“. Die vierzigtägige Fastenzeit vor Ostern wurde jedoch erst im vierten Jahrhundert n. Chr. eingeführt und sollte an das Leiden und Sterben Jesu erinnern, was vor seinem Tod unmöglich war. Das Barnabasevangelium erwähnt eine Goldmünze, den Dinar zu 60 minuti. Diese Münze wurde nur kurze Zeit im Mittelalter in Spanien verwendet; ein Argument, das die These von der Entstehung des Barnabasevangeliums in Spanien zu stützen scheint. Im Barnabasevangelium werden Holzfässer zur Weinaufbewahrung erwähnt, im Nahen Osten waren jedoch Lederschläuche üblich. Im Gegensatz zum Koran beschreibt das Barnabasevangelium, daß Maria ihr Kind ohne Schmerzen zur Welt bringt; eine Lehre, die erst in der Kirche des Mittelalters aufkam. Das Barnabasevangelium betont die Bedeutung der Almosen, des Fastens, der Wallfahrt und des fünfmaligen Gebetes, das auch Jesus ausführt, womit der Text auf einen Zeitraum nach der Entstehung des Islam im 7. Jahrhundert n. Chr. hinweist. Im Barnabasevangelium wird die verbotene Frucht im Paradies, die das Alte Testament nicht näher bestimmt, als Apfel bezeichnet; ebenfalls eine Entwicklung der späteren Kirchengeschichte.

Auf diese und einige weitere Punkte stützten sich die meisten Abhandlungen von nicht-muslimischer Seite in ihrer Ablehnung der Annahme, bei dem heutigen Barnabasevangelium in italienischer Sprache handle es sich um ein Dokument der frühen Kirchengeschichte.

Bis heute erscheinen in etlichen islamischen Ländern – vor allem von Christen – Abhandlungen, die sich gegen die Echtheit des Barnabasevangeliums wenden, und ebenfalls bis heute geht das Bemühen von muslimischer Seite dahin, zu ‘beweisen’, daß dieses Barnabasevangelium das einzig wahre Evangelium ist und die vier Evangelien des Neuen Testamentes Fälschungen darstellen. In diesem Zusammenhang muß die deutsche Übersetzung des italienischen Barnabasevangeliums betrachtet werden. Sie beschränkt sich allerdings im wesentlichen auf den Text selbst und behandelt das Evangelium so, als sei der Autor ohne Frage der neutestamentliche Apostel Barnabas selbst. Lediglich eine Pressemitteilung spricht von „unvermeidlich auftretenden Fragen nach seiner Echtheit und exegetischen Fragen“, ohne näher darauf einzugehen, wum welche Fragen der Echtheit es sich dabei handeln könnte. Das knappe Vorwort des Buches mit dem Titel „Zur Geschichte des Barnabas-Evangeliums“ enthält nur einen Bruchteil dieser Geschichte und geht mit keinem Wort auf die vielen Schriften und Argumente ein, die von nichtmuslimischer Seite bisher vorgebracht wurden, um die Echtheit des Barnabasevangeliums als frühchristliches Evangelium zu widerlegen. In letzter Konsequenz entscheidet die Weltanschauung des Betrachters darüber, wieviel Echtheit dem Barnabasevangelium zugebilligt wird. Für Muslime bestätigt es den Koran und die islamischen Dogmen und ist daher wahr, während es für Christen im Widerspruch zum Alten und Neuen Testament steht und daher unwahr ist. Letzlich wird es daher von Muslimen befürwortet und von Christen abgelehnt.

Mit der Befürwortung der Echtheit dieses Evangeliums geht die immer wieder von Muslimen vorgebrachte Behauptung Hand in Hand, die christliche Kirche habe versucht, dieses wahre Evangelium vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Christen bemühten sich erstmals um eine vollständige Textedition im Jahr 1907. Seitdem ist das Barnabasevangelium in etlichen Sprachen zugänglich. Vor dem Aufkommen der muslimischen Stellungnahmen pro Barnabasevangelium hatte in Europa niemand Interesse an einer neuen apokryphen Schrift.

Abschließend soll auf einige Aussagen des Vorwortes zur vorliegenden deutschen Übersetzung des Barnabasevangeliums eingegangen werden:

1. Die Behauptung des Klappentextes „Eine Urschrift (des Barnabasevangeliums) wurde jüngst in der Türkei aufgefunden“ entspricht leider nicht den nachprüfbaren Tatsachen. Mit Sicherheit haben die Herausgeber des Barnabasevangeliums diese „Urschrift“ oder ein Foto von ihr nie gesehen, denn sie zitieren lediglich einen Zeitungsartikel aus der türkischen Tageszeitung „Türkiye“ vom 25.7.1986 als Quelle. Zu Beginn der 80er Jahre tauchten in der Türkei tatsächlich mehrere Zeitungsartikel über die Entdeckung eines „alten Bibelmanuskriptes“ in einer Höhle in der Nähe von Hakkari in Südanatolien auf, dessen Gewicht etwa 50 kg betrage und dessen Alter mit der Radio-Carbon-Methode (C14) auf 1900 Jahre bestimmt worden sei. Es handle sich hierbei um das originale Barnabasevangelium in der „Arami-Suryani-Sprache“ (das Vorwort zur deutschen Übersetzung bezeichnet diese Sprache jetzt als „Aramäisch“), das beim Konzil von Iznik (Nicäa) im Jahr 325 unterdrückt worden sei. Auf das Manuskript sei man aufmerksam geworden, als es über die östliche Grenze außer Landes geschmuggelt werden sollte. Man fügte die Warnung hinzu, diesen Text nicht in die Hände von Christen geraten zu lassen, da diese ihn mit Sicherheit zerstören würden. Nur kurze Zeit später erschien hierzu eine Gegenstellungnahme von Ron Pankow aus Istanbul, die klarstellte, daß in der Türkei lediglich mehrere Manuskripte des Neuen Testamentes und ein Manuskript einer vollständigen Bibel aufgefunden worden seien, die höchstens 400 Jahre alte nestorianische Texte in aramäischer Sprache darstellten. Mit einem Barnabasevangelium, womöglich aus der frühchristlichen Kirchengeschichte habe dieser Fund jedoch nichts zu tun.

Ein solcher Fund wäre im übrigen eine Weltsensation gewesen. Schon wegen seines hohen Alters wäre der Text weltbekannt geworden, aber wieviel mehr, wenn es sich dabei um ein Evangelium gehandelt hätte. Immerhin konnte bisher kein hebräisches, aramäisches, griechisches oder lateinisches Original des Barnabasevangeliums aufgefunden werden, das den letzten Baustein in der muslimischen Argumentation zugunsten der Echtheit und des Alters des Textes bilden würde.

2. Ferner greift das Vorwort der deutschen Textedition die von muslimischer Seite immer wieder vorgebrachte Behauptung auf, auf Zypern sei im Grab des als Märtyrer verstorbenen Barnabas das Barnabasevangelium auf seiner Brust aufgefunden worden. Das ist jedoch nicht der Fall. Es gibt keinen einzigen historisch nachprüfbaren Hinweis dafür, daß die beiden einzigen uns bekannten Manuskripte des Barnabasevangeliums auf italienisch und spanisch in einem Vorläufer schon zu frühchristlicher Zeit existiert haben, geschweige denn dafür, daß sie jemals mit Zypern in Berührung gekommen sind. Woher stammt dann diese muslimische Annahme?

Sie stammt aus einer zypriotischen Legende aus dem fünften Jahrhundert, welche nach Auskunft eines Autors aus dem 16. Jahrhundert berichten soll, daß Barnabas dem Bischof von Salamis (Zypern) in einer Vision erschienen sei und ihm von einer Höhle, einem Sarg und einem Leichnam erzählt habe, auf dessen Brust der Bischof das Evangelium finden werde, das Barnabas mit eigenen Händen abgeschrieben habe, nachdem er es von dem Apostel und Evangelisten Matthäus empfangen habe. Es handelt sich also bei dieser Legende – deren historische Zuverlässigkeit im übrigen immer wieder bezweifelt wurde – eindeutig um das Matthäusevangelium und nicht um ein Barnabasevangelium. Von muslimischer Seite ist diese Legende dahingehend umgedeutet worden, daß Barnabas dieses Evangelium selbst verfaßt habe.

3. Auch der in der deutschen Textedition als Tatsache berichtete Verweis darauf, daß dasselbe Barnabasevangelium schon im sog. ‘Gelasius-Dekret’ des 5. Jahrhunderts „eine erste gesicherte Erwähnung“ (S. 8) findet, kann so nicht als Tatsache stehengelassen werden. Das ‘Decretum Gelasianum de libris recipiendis et non recipiendis’, möglicherweise südgallischen oder norditalienischen Ursprungs vom Ende des fünften oder Anfang des sechsten Jahrhunderts, wurde nach Papst Gelasius (regierte 492-496) benannt; einige Teile werden auf Papst Damasus (regierte 366-384) zurückgeführt. Im fünften Teil des Dekrets befindet sich u. a. ein Katalog apokrypher, von der Kirche als unkanonisch verworfener Schriften. Darunter wird neben etlichen anderen Evangelien der Apostel Jakobus, Petrus oder Andreas ein ‘Barnabasevangelium’ mit dem Titel ‘Evangelium nomine Barnabae apocryphum’, oder, mit anderer Lesart, ‘Barnabas et apostoli’ aufgeführt, woraus deutlich wird, das dieses Evangelium, wie später vielfach von muslimischer Seite behauptet, jedenfalls nicht in Opposition gegen die Evangelienberichte der übrigen Apostel geschrieben worden sein kann. Es gibt keinerlei Beweis dafür, daß dieses im Gelasius-Dekret erwähnte Evangelium, von dem heute niemand mehr kennt als bloß den Namen, da kein einziges Textfragment erhalten ist, mit dem wahrscheinlich im Spätmittelalter abgefaßten Evangelium identisch sein könnte.

4. Ferner erzählt das Vorwort der deutschen Textedition aus dem Vorwort der spanischen Ausgabe nach, daß ein Mönch namens Fra Marino das Manuskript aus der Bibliothek Papst Sixtus V. (regierte 1585-1590) entwendet haben soll, während der Papst, der ihm in seiner Bibliothek das Barnabasevangelium zeigen wollte, plötzlich eingeschlafen war. Fra Marino sah sich aus Langeweile in der Bibliothek um, und das erste Buch, das er aus dem Regal nahm, war zufällig eben dasselbe Barnabasevangelium. Er verbarg es in seinem Mantel und entwendete es aus der päpstlichen Bibliothek, nachdem der Papst erwacht war und ihn aus der Bibliothek geführt hatte. Fra Marino studierte das Barnabasevangelium und wurde Muslim. Später floh er nach Istanbul. – Diese Erzählung wird von den Befürwortern der Echtheit des Textes – wie auch in vorliegender Textedition – als Meilenstein der Erwähnung des Barnabasevangeliums im Mittelalter herangezogen, ohne in Rechnung zu ziehen, daß sich diese Geschichte ja im Barnabasevangelium selbst befindet, das sich als echtes Evangelium bezeichnet, also zum Erweis der Historizität des Textes nicht viel beitragen kann.

Nach der dem Buch beiliegenden Presseinformation soll die Veröffentlichung den „interkulturellen Dialog … befördern“. Christen, die ihrerseits von der Wahrheit des Neuen und Alten Testamentes überzeugt sind, werden das Barnabasevangelium nur als eine von vielen Fälschungen ablehnen können. Allerdings verstehen muslimische Theologen unter ‘Dialog’ im allgemeinen eher den Erweis der Überlegenheit des Islam und vielleicht auch die Aufdeckung von Mißverständnissen zwischen beiden Religionen, keinesfalls aber das Aufgaben islamischer Positionen und Dogmen. Wer jedenfalls die Einführung und den Text des Barnabasevangeliums liest, lernt nur die muslimische Sichtweise zu diesem Text kennen und erhält den Eindruck, als ob hier eine historische Originalquelle aus dem 1. Jahrhundert auf deutsch zugänglich gemacht würde; er erhält aber keinen echten Hinweis auf die vielen Einwände gegen die Echtheit des Barnabasevangeliums. Jedenfalls wird sich dieses Buch in den deutschen Buchmarkt mit seinen seinen derzeit aus dem Boden schießenden Jesus-Bestsellern und ihren zahlreichen, von der Bibel abweichenden Theorien gut einordnen.

Dr. Christine Schirrmacher

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Buchrezension zum Buch „Barnabasevangelium „( Apokryphen )/ Teil1

Einleitung zum Thema :
Buchrezension „Barnabasevangelium „
in drei Teilen

Ich hatte mehrfach vor das Buch „das Barnabasevangelium “ aus dem Spohr Verlag zu kaufen , was ich nun vor einigen Tagen hat & ziemliche nackenschmerzen wegen dem Veriefen in diesem ehrwürdigen Meisterwerk des Christentums .

Im zweiten Teil meiner Buchrezension werde ich inscha Allah die
“ gute Frau Christine Schirrmacher ( rofl) “ zu Wort kommen lassen .

Im dritten Teil werde ich einige christliche Kritikpunkte am Barnabasevangelium “ widerlegen & einige spirtuelle -mystische sowie islamische Vereinbarkeiten hinzufügen .

Hier die Einleitung :

Apokryphen (auch: apokryphe Schriften; griechisch: ἀπόκρυφος „verborgen“, Plural ἀπόκρυφα) sind Texte, die im Entstehungsprozess der Bibel nicht in deren Kanon aufgenommen wurden: aus inhaltlichen Gründen, weil sie damals nicht allgemein bekannt waren, aus religionspolitischen Gründen oder weil sie – selten – erst nach Abschluss des Kanons entstanden sind.

Der Begriff wurde im 2. Jahrhundert von christlichen Theologen geprägt und bedeutete anfangs nicht nur „außerkanonisch“, sondern zugleich „häretisch“: Er wertete die ausgegrenzten Schriften als Irrlehre oder Fälschung ab. Er wurde vor allem auf Literatur aus dem Umfeld des Gnostizismus bezogen, die ihre nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Texte mit dem Wort „apokryph“ als „Geheimlehren“ darstellten.

Zuerst hat das Judentum mit der Kanonisierung des Tanach (um 135) eine Reihe von Schriften als außerkanonisch ausgegrenzt. Die protestantischen Kirchen ordnen diese den Apokryphen des Alten Testaments (AT) zu, während die katholische und orthodoxe Kirche einige davon in ihren Kanon aufgenommen haben. Bei den Apokryphen des Neuen Testaments (NT) dagegen sind die christlichen Konfessionen weitgehend einig.

Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch werden heute allgemein außerkanonische frühchristliche Schriften unter diesen Oberbegriff gestellt, die nicht zu den Schriften der sogenannten Apostolischen Väter gehören. Dieser Begriff wurde im 17. Jahrhundert für frühchristliche Schriften geprägt, von denen man eine Übereinstimmung mit der Lehre der Apostel (zur Mission berufenen Auferstehungszeugen Jesu Christi) annimmt. Einige dieser Schriften sind ebenfalls schon vor 100 entstanden, sind aber keine Evangelien oder Apokalypsen und haben eine andere Funktion für das Christentum: Sie sind lehrhafte, seelsorgerliche Briefe oder kommentieren bereits vorgegebene NT-Überlieferung.

Dabei sind die Grenzen zu den eigentlichen Apokryphen allerdings fließend. Zu diesen zählt man heute auch sogenannte Agrapha: Worte, Dialoge und Episoden von und über Jesus, die sonst in der NT-Überlieferung unbekannt sind und parallel dazu – auch innerhalb von Schriften der Apostolischen Väter – überliefert wurden.

Literatur
Wilibald Grimm und Otto Fridolin Fritzsche: Kurzgefaßtes exegetisches Handbuch zu den Apokryphen des Alten Testaments. Leipzig 1851–1860.
Emil Kautzsch: Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments. 2 Bände, Tübingen, 1900. ISBN 978-3-487-05587-9 (in Verbindung mit Fachgenossen)
Paul Rießler: Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel. Kerle/Rühling, Heidelberg 1928. ISBN 3-600-30046-6
Erich Weidinger: Die Apokryphen – Verborgene Bücher der Bibel. Bechtermünz, München 1999. ISBN 3-86047-474-X (Apokryphen des alten und neuen Testaments)
Wilhelm Schneemelcher: Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung. 2 Bde. Mohr, Tübingen 1999 ISBN 3-16-147252-7 (Ausführliche Beschreibungen)
Klaus Berger, Christiane Nord: Das Neue Testament und frühchristliche Schriften. Insel, Frankfurt am Main 2000. ISBN 3-458-16970-9 (Deutsche Übersetzung der Texte)
Dieter Lührmann: Die apokryph gewordenen Evangelien. Brill, Leiden – Boston 2004. ISBN 90-04-12867-0 (Studien zu neuen Fragmenten)
Katharina Ceming, Jürgen Werlitz: Die verbotenen Evangelien. Marixverlag, Wiesbaden 2004. ISBN 3-937715-51-7 (Apokryphe Schriften)
Uwe-Karsten Plisch: Was nicht in der Bibel steht. Apokryphe Schriften des frühen Christentums. Deutsche Bibelgesellschaft 2006 ISBN 978-3-438-06036-5
Alfred Pfabigan: Die andere Bibel. Gottes verbotene Worte. Eichborn, Frankfurt am Main 2004. ISBN 3-8218-5599-1
Edgar Hennecke (Hg.): Die verborgenen Akten der ersten Christen. Marixverlag, Wiesbaden 2006. ISBN 3-86539-106-0
Alfred Schindler (Hg.): Apokryphen zum Alten und Neuen Testament, mit 20 Handzeichnungen von Rembrandt, Manesse Bibliothek der Weltliteratur, Manesse Verlag Zürich, 2. Aufl. 1988. ISBN 3-7175-1756-2

Quelle :

http://de.wikipedia.org/wiki/Apokryphen

216: Hier wird gesagt, dass Judas die Form von Jesus bekam und die Menschen Judas gekreuzigten, weil sie dachten, dass dieser Jesus sei.

Das Barnabasevangelium ist ein apokryphes Evangelium, das Barnabas, einem Jünger aus dem engeren Kreise Jesu zugeschrieben wird. Die Überlieferungsgeschichte des Textes ist umstritten. Besondere Bedeutung erhält der Text dadurch, dass er in zentralen Aussagen stark von der Glaubenstradition fast aller christlichen Konfessionen abweicht und eine Brücke zu islamischem Gedankengut aufbaut. Es ist heute in vielen islamischen Ländern ein Bestseller.

Ein unter Historikern als wahrscheinlich angesehener Erklärungsansatz ist es, im Verfasser einen zum Islam konvertierten Christen zu sehen, der über Kenntnisse in beiden Traditionen verfügte. Den Text hat er wahrscheinlich in Spanien verfasst.

http://de.wikipedia.org/wiki/Barnabasevangelium

Von islamischen Gelehrten wird das Barnabasevangelium gerne als Kronzeuge für die Verfälschung der Lehre Jesu herangezogen. Christliche Theologen, säkulare Historiker, aber auch einige islamische Gelehrte sehen im vorliegenden Text dagegen eine Fälschung aus dem 14. bis 16. Jahrhundert (Pseudepigraph).

Das Barnabasevangelium ist nicht zu verwechseln mit dem Barnabasbrief aus dem 1. Jahrhundert oder mit den Barnabasakten der neutestamentlichen Apokryphen.

Das Barnabasevangelium versteht sich selbst als „wahres Evangelium Jesu, genannt Christus, eines neuen Propheten, der von Gott der Welt gesandt, gemäß dem Bericht des Barnabas, seines Apostels“ und gilt den Verteidigern seiner Echtheit als das einzige bekannte Evangelium, dessen Verfasser wirklich Zeuge der Ereignisse um Jesus war. Die Geschichte des Textes lässt sich jedoch nur bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Der älteste vollständig erhaltene Text ist ein italienisches Manuskript aus dem 18. Jahrhundert, das heute in der Österreichischen Nationalbibliothek einzusehen ist. Von zwei älteren spanischen Manuskripten ist nur noch eines fragmentarisch erhalten und wird in Sydney aufbewahrt. Griechische, lateinische oder hebräische Handschriften wurden niemals entdeckt. Die Behauptung, dass eine Handschrift aus dem 1. Jahrhundert in der Türkei aufgefunden worden sei, ist nicht überprüfbar. Sie kann sich auf keinen archäologisch gesicherten Befund, sondern lediglich auf eine Notiz in türkischen Zeitungen des Jahres 1986 berufen.

Die von den Verfechtern der Echtheit postulierte frühe Textgeschichte beruht auf einigen Spekulationen. Das Evangelium sei in der frühen Kirche weit verbreitet gewesen und beispielsweise durch Irenäus rezipiert worden, habe zwischenzeitlich sogar dem Kanon der alexandrinischen Kirche angehört, bis es im Jahr 325 durch das Konzil von Nicäa verboten worden sei. Der Papst habe jedoch ein Exemplar in seiner Privatbibliothek gerettet, wo es aufbewahrt wurde bis es am Ende des 16. Jahrhunderts ein Freund Papst Sixtus’ V. aus der Bibliothek entwendete. Nach einer weiteren Legende aus dem 16. Jahrhundert stamme ein Manuskript von Barnabas selbst. Es sei im Jahr 478 mitsamt den sterblichen Überresten des Barnabas auf Zypern entdeckt worden. Der Autor beruft sich dabei auf eine – in Ihrer Historizität umstrittene – zypriotische Legende des 5. Jahrhunderts, in der allerdings von einem Evangelium berichtet wird, das von Barnabas abgeschrieben wurde. Für eine frühchristliche Existenz des heute bekannten Barnabasevangeliums oder seine Identität mit einem im frühen Christentum bekannten apokryphen Evangelium des Barnabas gibt es keinen schlüssigen Beweis.
Die Theologie des Barnabasevangeliums weicht in drei fundamentalen Punkten von der Auffassung fast aller christlichen Kirchen und der kanonischen neutestamentlichen Schriften ab:

Trinität, Gottessohnschaft Jesu
Erlösertod am Kreuz
Auferstehung
Das Evangelium schildert die Lebensgeschichte Jesu und seiner Jünger von der Ankündigung der Geburt Jesu bis zu seinem Tod. Der Text vereinigt dabei jüdische, christliche und muslimische Elemente. Wie die anderen Evangelien auch, erzählt es von Jesu Wundern, seinen Gleichnissen, von letztem Abendmahl, Verrat, Prozess und Kreuzigung. Im Gegensatz zur christlichen Tradition stirbt allerdings nicht Jesus sondern – aufgrund einer Verwechslung – Judas Ischariot am Kreuz. Folglich kann es auch keine Auferstehung Jesu gegeben haben. Damit erweitert das Barnabasevangelium eine Aussage des Koran, der in seiner einzigen Erwähnung der Kreuzigung ebenfalls davon ausgeht, dass nicht Jesus gekreuzigt wurde, ohne sich jedoch auf eine andere Person festzulegen. Im gesamten Text des Evangeliums findet sich dezidiert islamisches Gedankengut. So enthält es die in frühchristlicher Zeit noch unbekannte Schahada (das islamische Glaubensbekenntnis), nennt Adam, Abraham, Ismael, Moses, David und Jesus unterschiedslos Gesandte Gottes oder lässt die Verheißung Jesu Geburt an Ismael ergehen, der auch anstelle von Isaak durch Abraham geopfert werden sollte. Damit bestreitet der Text die exklusive Stellung Jesu Christi im Christentum.

Aus der Rezeption islamischen Gedankengutes schließt die nichtislamische Redaktionskritik, dass die vorliegende Textgestalt nicht vor dem 7. Jahrhundert entstanden sein kann. Allenfalls wäre eine ältere Vorlage – sofern sie überhaupt existierte – in wesentlichen Teilen überarbeitet bzw. verfälscht worden. Eine weitergehende Analyse des Inhaltes zeigt Parallelen zu mittelalterlichem Gedankengut, so etwa den Vorstellungen Dantes über Himmel, Hölle und Paradies oder den Idealen mittelalterlicher Mönchsaskese. Als wahrscheinlichste Datierung gilt nicht-islamischen Historikern daher der Zeitraum vom 14. bis ins 16. Jahrhundert.

Weit schwieriger als die Analyse der Entstehungszeit sind Verfasserschaft und Interesse des Textes zu ermitteln.

Etliche fehlerhafte Darstellungen der Geographie und Geschichte Judäas in den Erzählungen zeigen, dass der Verfasser weder Zeit noch Örtlichkeiten der Handlung aus eigener Anschauung kannte. Gegen ein vorschnelles Urteil, es handele sich um eine islamische Propagandaschrift, sprechen die erheblichen Differenzen zur islamischen Lehre, die sich trotz der Rezeption des Islam im Text finden.

Hier einige Punkte von mir aus dem Barnabas Evangelium:

53: Hier werden einige Zeichen des jüngsten Gerichts wiedergegeben

55: Hier wird ganz offen von Muhammed (sav) berichtet. Er wird als Mahomet bezeichnet.

56: Hier heißt es, dass Israfil auf die Trompete pusten wird und dann der Untergang kommt.

63: Hier wird die Geschichte vom Propheten Jonas (Yunus) a.s. ähnlich wie im Koran berichtet.

70: Hier erklärt Jesus (as) dass er auf keinen Fall der Sohn Gottes ist. Er bezeichnet Petrus, der dies behauptet, als Teufel.

71: Hier sagt Jesus, dass nur Gott die Sünden vergeben kann. Also keine Beichte gegenüber Menschen.

72: Hier verkündet er, dass Muhammed (sav) kommen wird. Als Zeichen sagt er, dass eine Wolke über ihn schweben wird. Falls ihr euch erinnert, die Christen damals erkannten Muhammed an dieser Wolke (u.a. der Priester Bahira).

82: Hier sagt Jesus (as) dass er nicht der Sohn Gottes ist, sondern ein Prophet.
Hier wird auch offen vom Propheten Muhammed (sav) berichtet. Sogar das „lev lake lev lake“ hadith taucht hier auf !!!

99: Hier wird die Geschichte vom Propheten Hiob (Eyyüp) a.s. ähnlich wie im Koran berichtet.

123: Hier heißt es, dass nur Allah die Sünden vergeben kann.

136: Hier steht, dass die Teufel vor Mahomet (Muhammed) fliehen werden.

143: Hier verkündet er wieder, dass Muhammed (sav) kommen wird.

182: Hier sagt Jesus (as), dass man ihn nicht Herr sondern Bruder nennen soll.

215: Hier wird gesagt, dass Jesus nicht gekreuzigt wurde, sondern von Engel zu Gott emporstieg.

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Baptisten :eine evangelikale Bewegung

Die Baptisten sind 400 Jahre alt

 

 
Amsterdam Baptisten
 
In diesem Gebäude in Amsterdam fanden die ersten Treffen der Baptisten statt.

In der Schweiz zählen die Baptisten rund 1100 Mitglieder. Nicht eingerechnet sind in diese Zahl Kinder. Denn die Baptisten taufen im Unterschied zu den Katholiken und Reformierten keine Kinder. Sie praktizieren die Erwachsenentaufe oder vielmehr die Glaubenstaufe. Diese Begriff schliesst die Taufe von bekennenden Jugendlichen ein.

Vor 400 Jahren wurde die erste Baptistengemeinde gegründet. Vom 24. bis 26. Juli gedenken die Baptisten am Gründerort Amsterdam des Ereignisses. Das Jubiläum wird in der Schweiz nicht speziell begangen, einige Mitglieder werden aber in die Niederlande reisen, erklärte der Präsident des Bundes Schweizer Baptistengemeinden, Peter Deutsch, gegenüber der Presseagentur Kipa.

Bei den Baptisten werden die Kinder von den Eltern im Glauben unterwiesen. Sie entscheiden aber erst als Erwachsene über ihre Glaubensausrichtung. Wer zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist, wird eingeladen, sich aufgrund seines persönlichen Bekenntnisses taufen zu lassen, heisst einer der Grundsätze der Baptisten. Kinder können aus dem Grund nicht getauft werden.

Elf Gemeinden in der Deutschschweiz
In der Deutschschweiz gibt es elf baptistische Gemeinden, zwei davon sind brasilianische, also ausländische Gemeinden. Eine weitere befindet sich in Lugano. Auch in der Westschweiz befinden sich Baptistengemeinden. Diese sind aber nicht Mitglied des Weltbundes der Baptisten.

In rund 160 Ländern der Welt existieren Baptistengemeinden mit zirka 47 Millionen Mitgliedern. Die meisten nationalen Baptistenunionen gehören zum Weltbund der Baptisten (Baptist World Alliance / BWA). Bedeutsame Ausnahmen sind hier unter anderem der seit 2004 ausgetretene US-amerikanische Bund der südlichen Baptisten mit rund 11 Millionen getauften Mitgliedern und die Rückwanderergemeinden der russlanddeutschen Baptisten mit zirka 350‘000 Mitgliedern.

Als Brückenbauer in der Ökumene

 
Peter Deutsch
 
Peter Deutsch

Die Deutschschweizer Baptisten gehören über die europäische Baptistenföderation zum Weltbund. «Und als Bewegung, die innerhalb des Weltbundes organisiert ist, haben wir auch immer an der Ökumene teilgenommen», sagt der Berner Anwalt Peter Deutsch, der auch Präsident der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (AGCK) der Stadt Bern ist. In der Schweizerischen AGCK sind die Baptisten von Anfang an mit dabei.

Der AGCK gehören ganz unterschiedliche Gemeinschaften an. Die Heilsarmee etwa sieht sich als Bewegung und kennt keine Sakramente. Die Methodisten betrachten sich als Freikirche, gehören aber dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK) an. «Wir sind die Kirche innerhalb der Arbeitsgemeinschaft, welche den Freikirchen am nächsten steht, und darum haben wir uns immer etwas als Brückenbauer zwischen ihnen und den grossen Schweizer Kirchen gesehen», sagt Deutsch.

Hoher Stellenwert des Gemeindelebens
Die Baptisten verfügen nicht über die Sakramentenvielfalt der katholischen Kirchen. Sie kennen die Taufe und das Abendmahl. Für Lehre, Glaube und Leben ist die Bibel alleinige Richtschnur. Einen hohen Stellenwert hat das Gemeindeleben. Die Gemeinden besitzen eine grosse Autonomie und auch das einzelne Mitglied. Die Verkündigung weckt, stärkt und korrigiert den Glauben des einzelnen Menschen und verlangt auch nach dessen eigener Antwort. Nicht die Taufe, sondern der persönliche Glaube an Jesus Christus als Herr und Erlöser wird als heilsentscheidend bezeichnet.

Die örtliche Gemeinde der Glaubenden «verwaltet», so die Baptisten in einer Selbstdarstellung, das Wort und die von Jesus Christus eingesetzten «Zeichen» Taufe und Abendmahl. Sie delegiert diese Aufgabe an einzelne Gemeindemitglieder. Das Priestertum gilt für alle Gläubigen. Alle Handlungen, auch Taufe, Abendmahl und Predigt, können grundsätzlich von jedem Gemeindemitglied vollzogen werden.

Die Gestaltung der Gottesdienste unterliegt keiner bestimmten Liturgie, sondern wird von jeder Gemeinde individuell gehandhabt. Ein wichtiges Element ist das offene Gebet der Gemeinde, bei dem jeder Gottesdienstbesucher die Möglichkeit hat, laut mitzubeten. Wichtig ist den Paptisten die intensive Gemeinschaft mit den anderen Gemeindemitgliedern und Jesus. Deshalb besteht in vielen Gemeinden im Anschluss an den Gottesdienst das Angebot eines Kirchenkaffees oder es wird sogar ein gemeinsames Mittagessen offeriert.

Die Baptistenkirchen sind kongregationalistisch organisiert, die einzelnen Gemeinden sind autonom. Sie finanzieren sich durch freiwillige Spenden und Mitgliederbeiträge.

Evangelisation und Glaubensfreiheit

 
Gottesdienst IBC
 
Gottesdienst einer ‘International Baptist Church’.

Baptisten sehen in der Evangelisation die vordringlichste Aufgabe sowohl des einzelnen Gemeindemitglieds als auch der Gemeinde und ihrer regionalen und nationalen Zusammenschlüsse. Sie sprechen sich für eine Trennung von Kirche und Staat aus. Sie befürworten die Glaubens- und Gewissensfreiheit.

In den Reihen der Gemeinschaft sind die beiden US-amerikanischen Bürgerrechtler Martin Luther King und Jesse Jackson zu finden. Zu ihr zählen ebenfalls mehrere US-Präsidenten: Abraham Lincoln, Harry S. Truman, Jimmy Carter, Bill Clinton.

Das Jubiläum in Amsterdam
Der Anfang der weltweiten Gemeinschaft liegt in Amsterdam. Das Schicksal von John Smyth, einem der Gründerväter der Baptisten, veranschaulicht den Werdegang der Gemeinschaft. Smyth war ein anglikanischer Geistlicher. Prägend für seinen Lebensweg war die Begegnung mit der puritanischen Bewegung calvinistischer Prägung in England. 1602 geriet er wegen seiner puritanischen Lehre in Konflikt mit den kirchlichen Behörden. Es kam schliesslich zu seiner Entlassung.

Zum Separatisten wurde Smyth, nachdem der englische König James I. antipuritanische Gesetze erliess. 1608 wurde der politische Druck auf die Bewegung so stark, dass Smyth mit seinen Anhängern nach Amsterdam floh.

Dort kamen die Engländer mit Mennoniten in Kontakt, einer Täuferbewegung, die in der Schweiz entstanden ist. Die Gründerväter der Baptisten lebten die Überzeugung einer Gemeinschaft aus Glaubenden, losgelöst von staatlicher Kontrolle, die die Glaubenstaufe ausüben. Die Baptisten fassten im 19. Jahrhundert Fuss in der Schweiz.

Autor: Georges Scherrer
Quelle: Kipa
Datum: 06.05.2009

http://www.jesus.ch/index.php/D/article/154/46709

 

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Thema Frauen im Islam : Ist es erlaubt Frauen zu schlagen ?

Frauen schlagen im Islam? Drucken E-Mail
- Prof. Umm Salah   
Frage: Ist es eine Verzerrung, zu sagen, dass das Schlagen von Frauen im Islam erlaubt ist?

Antwort:

Im Namen Allahs des Gnädigen und Barmherzigen. Gelobt sei Allah! Möge der Frieden und der Segen von Allah auf unserem geliebten Propheten, seiner Familie, seinen Begleitern und denen, die ihnen folgen, sein.

Es ist eine absolute Verzerrung des Islams, zu sagen, dass das Schlagen von Frauen im Islam gut geheißen werde. Frauen zu schlagen wird nicht nur nicht gut geheißen, es wird auch ausdrücklich verboten. Jemanden zu schlagen, egal ob einen Mann, eine Frau oder ein Kind, ist ungesetzlich. Jemanden zu schlagen ist eine Form des Missbrauchs und der Islam verbietet solchen.

Ich schaudere, wenn ich daran denke, wieviele muslimische Frauen im Krankenhaus geendet sind, die geschlagen und verletzt wurden oder sogar gestorben sind, weil ihre Ehemänner glaubten, dass der Islam ihnen das Recht gebe, ihre Frauen physisch anzugreifen.

Das Thema Disziplinierung der Frau kommt im Vers 34 der Surat Als-Nisa vor. Yusuf Ali übersetzt diesen Vers wie folgt: „Männer sind die Beschützer und Versorger der Frauen, weil Gott den einen mehr (Stärke) gab als den anderen und weil sie sie mit ihren Mitteln unterstützen. Folglich sind die rechtschaffenen Frauen im Gehorsam ergeben und schützen in der Abwesenheit (des Ehemanns), was Gott sie schützen lassen will. Hinsichtlich jener Frauen, von denen ihr Ungehorsam und falsches Verhalten befürchtet, verwarnt sie (zuerst), (danach), vermeidet, mit ihnen das Bett zu teilen, (und zuletzt) schlagt sie (leicht); aber, wenn sie zum Gehorsam zurückkehren, sucht keine Gründe (der Störung) gegen sie: Allah ist am Höchsten und Groß.’

Die Übersetzung Pickthalls ist,: ‘Männer sind verantwortlich für ihre Frauen, weil Allah die einen die anderen übertreffen ließ und weil sie von ihrem Vermögen aufwenden (für die Unterstützung der Frauen). Gute Frauen sind ergeben und schützen im Geheimen, was Allah schützt. Aber die, von denen ihr Widerstand befürchtet, ermahnt sie und verbannt sie aus dem Bett und plagt sie. Wenn sie euch dann gehorchen, sucht nichts gegen sie. Allah ist am höchsten.’

Wie Sie sehen können, wählte ein Übersetzer den Wortlaut ‘Schlag’, während der andere das ‘Wort’ Plage’ wählte. Das arabische Wort ist ‘wadribouhounna’, vom Stammwort ‘darb.’ Linguistisch hat ‘darb’ viele Bedeutungen, einschließlich solche wie ‘treffen’ oder ‘leicht schlagen’. Die englischen Übersetzungen führen vielleicht in einigen Fällen in die Irre und das ist der Grund, warum es wichtig ist, zu den arabischen Quellen zu gehen und zu sehen, wie die Gelehrten diesen Vers interpretiert haben.

Ich habe herausgefunden, dass die Mehrheit der Gelehrten diesen Vers als die Erlaubnis für die Männer interpretiert hat, ihre Frauen zu disziplinieren, die ‘nashiz’ geworden sind, was rebellisch, aufsässig, oder lüstern bedeuten kann.

Diese Erlaubnis ist keine allgemeine Erlaubnis für den Mann, die Frau zu disziplinieren, wann immer er es will, es ist eher für Frauen gedacht, die auf eine bestimmte Art und Weise handeln und dadurch die Harmonie der Ehe bedrohen. Darüber hinaus ist es lediglich eine von Allah gewährte Erlaubnis für Männer. Es ist kein Recht oder Privileg!

Gelehrte haben Grenzen für diese Disziplinierung festgelegt. Dem Ehemann wird erlaubt, seine Hand oder das Gegenstück zu einem miswak zu benutzen. Auf keinen Fall darf er aus Wut oder Ärger schlagen oder seine Frau verletzen. Eher gibt er ihr mit diesem sehr leichten Gegenstand einen symbolischen Klaps. Er darf nicht ihr Gesicht oder einen anderen empfindlichen Teil des Körpers ’schlagen’. Und noch einmal: Diese Erlaubnis bedeutet nicht, dass er das machen muss, es wird bloß unter bestimmten Umständen als gestattet angesehen.

Bevor er seine Frau diszipliniert, wird von ihm verlangt, andere Maßnahmen zu ergreifen. Man beachte, wie der Qur’an Männern befiehlt, zuerst mit den Frauen zu sprechen und sie mit netten, weisen Wörtern zu überreden. Dann, wenn das scheitert, wird ihm erlaubt, eheliche Intimität zu meiden, sprich den sexuellen Kontakt zu unterlassen, damit die Frau den Ernst der Lage begreift. Schließlich wird ihm erlaubt, sie physisch zu disziplinieren, aber nur innerhalb der oben erwähnten Grenzen! Die Gelehrten sagen auch, dass, wenn er weiß, dass physische Disziplin nichts bringt, er sie nicht ausüben soll. Und die Gelehrten weisen auch die Männer darauf hin, das Beispiel des Propheten anzuschauen, Frieden sei auf ihm. Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass der Beste der Schöpfung, auf dem Frieden sei, seine Frauen nie schlug!

Diese Erlaubnis für einen Mann, seine Frau zu disziplinieren, ist etwas, was Männer nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten. Wenn aus dieser Disziplinierung der Frau irgendein physischer oder emotionaler Schaden resultiert, ist es dem Ehemann verboten, es fortzusetzen. Sowohl der Mann als auch die Frau sollten dazu fähig sein, sich hinzusetzen und die Probleme wie Erwachsene zu diskutieren. Die Tatsache, dass Probleme zwischen Mann und Frau in physischen Konfrontationen eskalieren können, ist etwas, worauf wir als Gemeinde hinweisen müssen.

Das islamische Beispiel der Ehe ist geprägt von Liebe, Gnade und gegenseitigem Respekt, nicht von Gewalt, Kampf und Hass.

Und Allah weiß es am Besten!

Ustadha Umm Salah (Zaynab Ansari)

Quelle: www.Sunnipath.com

 

Quelle :

Ahlus-Sunnah.de

 

 

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