“Wer keinen Shaykh hat, dessen Shaykh ist der Shaytan”-ein Erklärungsversuch

Posted: 24. November 2011 in Wer keinen Shaykh hat...

Erläuterung des Ausspruchs„Wer keinen Shaykh hat, dessen Shaykh ist der Shaytan(Satan)“

Zusammengestellt und recherchiert von Talib al Muwahhid

Für www.talmeez.wordpress.com

 

 

Vorwort :

 

„Wer keinen Shaykh hat, dessen Shaykh ist der Satan(arab.shaytan)“ ist ein sehr alter, klassischer, authentischer und glaubwürdiger Ausspruch, aber in unserer Zeit wird  diese berühmte Weisheit nicht mehr der kostbare Wert beigemessen und nicht mehr akzeptiert und praktiziert.

 

Die Kritik  an dieser Kostbarkeit und Weisheit hat mehrere Gründe, so jedenfalls meiner Recherche und Überlegungen nach, ich habe mir bezüglich dessen echt den Kopf zerbrochen, warum diese Weisheit so fundamental fehlinterpretiert wird und meiner bescheidenen  Überlegungen sind weder nur theoretischer  noch nur praktischer Rhetorik geschuldet, sondern vielmehr der Fragestellung und der Fehlinterpretation “was versteht man darunter?“ geschuldet.

 

Leider ist es unserer Zeit so, dass uns meist bei dieser Aussage mehrere Fragezeichen entstehen:

  1. Ist damit gemeint, dass man sich einem Shaykh anschließen soll?
  2. Ist damit gemeint, dass man sich einer Tariqah anschließen soll?
  3. Ist damit gemeint, dass man sich dem at Tasawwuf anschließen soll?

 

Ist das exakt damit gemeint?

Das Problem ist weniger, was man daraus schließt als vielmehr die Frage “Was ist damit gemeint?“. Als sunnitischer Muslim weiß man, dass es zahlreiche Gefahren gibt, welche den Iman (islamische Lebenspraxis) gefährden können, kurz zusammengefasst:

  • Weltbezogenheit (at tajrid ad dunya),
  • Das Begehen von Sünden,
  • Satanische Einflüsterungen(waswasa),

Der Mensch an sich ist wankelmütig, rebellisch, ungehorsam, aggressiv, rachsüchtig und hochmütig, aber auch mitfühlend, verzeihend, liebevoll, respektvoll, wahrheitsliebend, gerecht, barmherzig, nachdenklich, zuvorkommend und hilfsbereit.

Sowie der Mensch zwei Dinge benötigt, einmal die Vernunft und das Herz, um Entscheidungen zu fällen, welche beeinflusst sind durch Erziehung, Bildung und Sozialisation. Die traditionelle Erziehung des islamischen Lern- und Lehrmethode ist der Kern der Charakterbildung des Menschen  und das leitende Menschenbild dessen liegt im Hadith begründet „Der Beste von euch ist der Beste im guten Benehmen(adab)“, Bukhariyy und Muslim.

Um dies zu erreichen ist die islamische Erziehung des Kindes durch Vater und Mutter so fundamental wichtig, denn die Erziehung(tarbiyya) und  die Bildung(ta´alim)  im religiösen Sinne übergibt man das Kind  später den islamischen Gelehrten, welche das Kind zu respektieren hat und zu gehorchen hat, was wiederum jede Art von Willkür und Machtmissbrauch ausschließt. So erlernt das Kind den Qu´ran , die Sunnah, die guten Moraleigenschaften (akhlaq) des Muslimsseins, die Prophetenbiographie(sirah) , die rechtgeleiteten Kalifen(khulafa al rashideen) und die wichtigsten Punkte der islamischen Geschichte (tarikh) kennen. Mit diesen Grundlagen der religiösen Überzeugung  ausgestattet , begeben sich einige von jenen späteren  muslimischen Jugendlichen aufgrund ihrer Pubertät und deren hormonell verursachten Gefühlsschwankungen  in die Kreise der Gelehrten und der Shujukh, um ihren eigenen Egoismen zu entgehen.

Dieses Gleichnis mit dem muslimischen Kind ist exakt das Gleiche, wenn man sagt: Das Ego stirbt, wenn man Wissen erwirbt.

Das Problem, was uns als vernunftbegabte Menschen in Europa begegnet, ist die real existierende Teilung von Körper, Geist und Seele. Da man es den Europäern gleichtut  auf diese Denkweise, dies  ist der fundamentale Grund für die Muslime, nämlich  dass  man die äußere und innere Glaubenslandschaft voneinander trennt. Dagegen gibt es meines Erachtens nach  zuwenig Widerstand gegen diese intellektuelle Verwirrung der Menschenmassen.

Der Islam in seinem klassischen, ursprünglichen, authentischen, glaubwürdigen und originalgetreuen Verständnis hat die 1400 Jahrhunderte im Gegensatz zum Christentum diese Teilung von Körper, Geist und Seele alhamduillah nicht vollzogen, insbesondere ist es den Salaf as Saliheen und den Gelehrten der Ahl as Sunnah ist es zu verdanken, dass das prophetische Erbe des  Islams  nicht verschleudert wurde, sondern bewahrt, geschützt und weiter verbreitet haben. Deswegen folgen die meisten der sunnitischen Muslime einem Gelehrten und einer der vier sunnitischen Rechtsschulen, um Anteil am prophetischen Erbe zu haben.

Wenn man nun sagt „Wer keinen Shaykh hat, dessen Shaykh ist der Shaytan“, so ist dies der gut gemeinte Rat (nasiha) seine egoistische Triebhaftigkeit, den Sünden und den weltlichen Verführungen nicht nachzugehen, welche die Gefahren für den Körper, Geist und Seele darstellen und entsprechende Nachwirkungen haben.

Man fragt ja auch nicht, wenn jemand diese Weisheit „wer keinen Shaykh hat, dessen Shaykh ist der Shaytan“, ob eine Mutter oder Vater die Erziehungsberechtigung hat oder ob ein Lehrer in der Schule, ein Kalligraph oder einen Musiklehrer nicht nach seiner Lehrerlaubnis hat, sondern man sieht anhand des Unterrichts und der Lehrinhalte, ob jener ein geeigneter  Lehrer ist oder eben nicht.

Man fragt ja aber eben auch, wenn jemand ein  Qari (Quranrezitator), ein Faqih (Jurist), ein Muhaddith( Hadithexperte) , ein Mufassir ( Quranexeget) , ein Khatibi (muslimischer Freitagsprediger), usw. bei wemm er gelernt hat und ob er eine Ijaza(Lehrerlaubnis) auf den Ebenen der islamischen Rechtswissenschaften besitzt und eben dies wird auch bei den Shujukh at Tasawwuf so verstanden und vorausgesetzt wird.

„Wer keinen Shaykh hat, dessen Shaykh ist der Shaytan“ bedeutet weiterhin die Zuflucht, Erleuchtung und Rechtleitung zu suchen bei Allahu Subhana Hu ta´ala vor den Gefahren des Zeitvertreibs und der Genusssucht, welche im Diesseits wie reißende Wölfe auf den Gläubigen warten, um seinen Islam und seinen Iman zu zerstören.

„Wer keinen Shaykh hat, dessen Shaykh ist der Shaytan“ bedeutet weiterhin Zuflucht in die religiöse und spirituelle Welt des Buch Allahs und der Sunnah des Propheten saws, welche die Sichtweise des Gläubigen klärt und ihn auf seine geistigen Krankheiten aufmerksam macht.

„Wer keinen Shaykh hat, dessen Shaykh ist der Shaytan“ bedeutet darüber hinaus sich Schutz zu suchen vor Zweifeln(arab. shakk) im Iman und sich vor  Sektenlehren in Schutz zu suchen bei den Gelehrten  der Ahl as Sunnah und aus deren Wissen Nutzen zu ziehen.

„Wer keinen Shaykh hat, dessen Shaykh ist der Shaytan“ bedeutet seine innere Glaubenslandschaft durch das Intisab( das Annehmen eines vollkommnen Murshids, seines Weges und seiner Methodenlehre zu folgen) zu verschönern und das Verschönern der inneren Glaubenslandschaft geht eben nur durch das Intisab.

„Wer keinen Shaykh hat, dessen Shaykh ist der Shaytan“ bedeutet, insbesondere für die Qadiriyya Muridan, ihr Ego zum gehorsamen Diener zu erziehen und das Ego(nafs) sowie jede schlechte Eigenschaft abzulegen, welche im Widerspruch zur Shari´ah stehen und die Verbesserung der Umgangsformen(adab).

Es existieren zahlreiche authentische Zitate und Erklärungsversuche seitens der Großgelehrten des Sufitums und einige Unbedeutende:

  • Eine berühmte Qadiriyya Weisheit lautet : „Wer seine Absicht reinigen möchte(tasfiyatul niyyah), wer seinen Iman erneuern möchte,  wer sein Wissen reinigen möchte (tasfiyatul ilm),  wer zunehmen möchte an Wissen (im) und Weisheit(hekma), wer sein Ego läutert(tazkiyyatul nafs), wer Allahs gedenkt(dhikrullah), wer dem Tod gedenkt( taffakkur al mawt), wer seine moralische Eigenschaften verbessern möchte(tasfiyatul akhlaq), aber diese sunnahgetreuen Praktiken nicht unter dem Aspekt der religiösen und geistigen Anleitung eines Murshid al Kamil und seinem geistigen WWege Allahs(tariqah) betrachtet, so ist derjenige vergleichbar mit einem Reisenden der seinen  Proviant verschleudert zum niedrigsten Preis, zugunsten seines Egoismus, weil es nicht geläutert werden möchte und der Verlust sein Ego nicht zu bekämpfen, wiegt schwerer und dies nennt man Shirk al Khafi“
  • Shaykh Ahmad Ibn Ajiba al Hasani rahmatullah alayh sagte etwas sehr Weises und für die sunnitischen Muslime etwas sehr Kostbares, indem er rahmatullah alayh den Kommentar aus „al Sharishiyya“ zitiert, indem es heißt :Wisse, dass das Reisen auf dem Wege (Allahs), insbesondere für den Murid, welcher die Verwirklichung( das heißt das Ego zum Gehorsamkeits- Diener wird) , ist es nicht möglich ohne durch das Festhalten am Gehorsam und dem Befolgen des Shaykhs, welcher (durch Allahs Hilfe, Schutz  und Wohlgefallen) verwirklicht wurde und welcher ein Murshid ist, denn der Weg Allahs (tariqah) ist ein schwieriger, denn die kleinste Sache, welches den Weg Allahs  durchkreuzt(das heißt ihm zuwider handelt) kann jemanden an den weit am entferntesten Punkt dessen bringen weit weg vom(eigentlichen) Ziel“, überliefert on Ibn Ajiba rahmatullah alayh in al Futuhat al Ilahiyya , Seite 78,
  • Eine weitere Qadiriyya Weisheit besagt: Dort,  wo Du  die gesunde islamische Glaubenslehre der Leute der Sunnah und der Gemeinschaft (ahl as sunnah wa´l jama´ah) und in die islamische Lebenspraxis umgesetztes Wissen findest, dort setz Dich nieder und verweile dort. Dort, wo Du Brüderlichkeit (ukhuwwa), Hilfsbereitschaft (khidma), gutes Benehmen (adab), Erleuchtung(hidaya) und Rechtleitung (huda) setz Dich nieder und bete für jene.Wenn Du bemerkst, dass die Muslime Dich ernstnehmen und nur Gutes für Dich wollen und Du erkennst an ihnen Güte (ihsan) und Selbstlosigkeit(ithar) , so begebe Dich in deren Kreise des Wissens, des Handelns und des Gedenken Allahs und folge deren Spur. Lass Dich nicht von den Fehlern anderer beeindrucken, sondern handle nach Deiner Absicht. lass Dich nicht von Deiner Absicht abbringen, verändere sie nicht und vermische nicht Falsches mit Wahrem. Dann begebe in den Kreis derer, welche das Antlitz Allahs, die Gottesliebe,  die Liebe des Propheten saws und der Salaf as Saliheen in Wahrhaftigkeit , Wahrheit und Weisheit anstreben. Sei dann Dein eigener Gärtner Deines Rosengartens der inneren Glaubenslandschaften und lass die Tränen  das Wasser der Rosen sein und beackere  Dein Feld säe darauf Deine guten Taten, damit Du im Jenseits ernten kannst.
  • Ein Qadiriyya Bruder sagte mal :Gebt Euren Brüdern  soviel wie möglich Nasihats wie durch die Worte :O Bruder , sei einer der Wahrhaftigen,o Bruder, folge nicht dem Shaytan  o Bruder, denke darüber nach, wie Dein letzter Moment auf dieser Erde sein wird, o Bruder, verschenk Dein Herz nicht ans Diesseits ,  so sind jene Worte wie das Zusammensitzen mit einem Gelehrten und einem Awiliyyullah,

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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